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Brustkrebs

Ob eine Chemo nötig ist, steht in den Genen

Einige Patientinnen mit Brustkrebs haben auch ohne Chemotherapie ein geringes Rückfallrisiko - sofern sie eine entsprechende genetische Veranlagung haben.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Der Gentest Oncotype-DX berücksichtigt 21 Gene.

Der Gentest Oncotype-DX berücksichtigt 21 Gene.

© psdesign1/Fotolia.com

NEW YORK. Ein Test auf 21 Gene - 16 Krebs- und fünf Kontrollgene - hilft entscheiden, ob Frauen mit bestimmten Brustkrebsformen von einer Chemotherapie profitieren.

Frauen, die an einem Östrogenrezeptor-positiven Mamma-Ca ohne Befall der axillären Lymphknoten erkrankt sind, nach klinisch-pathologischen Kriterien einer Chemotherapie zuzuführen, hat für viele eine Übertherapie zur Folge.

Denn ungefähr 85 Prozent von ihnen sind auch unter alleiniger adjuvanter endokriner Therapie nach zehn Jahren frei von Rückfällen. Erhalten sie zusätzlich eine adjuvante Chemotherapie, erhöht sich diese Chance noch einmal um bis zu fünf Prozentpunkte, was rund einem Drittel jener Patientinnen entspricht, für die eine endokrine Therapie nicht ausreicht.

Studie mit mehr als 10.000 Frauen

Studien mit prospektiv-retrospektivem Design haben in der Vergangenheit nahegelegt, dass sich mit Genexpressionstests besser einschätzen lässt, welche Brustkrebspatientinnen von einer adjuvanten Chemotherapie profitieren und welche nicht. Einer davon ist der Oncotype-DX-Test, der sich der Reverse-Transkriptase-Polymerase-Kettenreaktion bedient und mit Tumorgewebe arbeitet.

Er ermöglicht die Berechnung eines Scores für die Rückfallwahrscheinlichkeit mit Werten zwischen 0 und 100, wobei höhere Werte ein höheres Risiko bedeuten. Als Grenze gilt nach Angaben des Herstellers (Genomic Health) eine Punktzahl von 18 (Risiko von Fernmetastasen laut Literatur etwa 7 Prozent).

Bisher fehlte allerdings eine rein prospektiv angelegte Studie, die den klinischen Nutzen des Tests mit höchstem Evidenzgrad bestätigt hätte. Ergebnisse einer solchen Untersuchung haben nun Forscher um Jospeh Sparano vom Albert Einstein College of Medicine in New York vorgelegt (N Engl J Med 2015, online 28 September).

Einbezogen waren mehr als 10.000 Frauen mit Hormonrezeptor-positivem und HER2-negativem Brustkrebs ohne Befall der Lymphknoten in der Axilla. Die Tumoren maßen in der größten Ausdehnung 1,1-5,0 cm (beziehungsweise 0,6-1,0 cm, sofern es sich um Karzinome mit mittlerem oder hohem histologischem Grad handelte). Sämtliche Patientinnen erfüllten die klinisch-pathologischen Voraussetzungen für die Aufnahme einer Chemotherapie.

Die Wissenschaftler entschieden sich für einen Oncotype-DX-Score von zehn als Obergrenze.

Einen solchen Wert wiesen rund 16 Prozent der Patientinnen auf. Sie erhielten nur eine endokrine Therapie, meist einen Aromataseinhibitor oder Tamoxifen. Patientinnen mit einem Oncotype-DX-Wert von 11-25 (67 Prozent der Teilnehmerinnen) wurden nach dem Zufallsprinzip einer endokrinen Behandlung ohne oder mit Chemotherapie zugeteilt. Für alle Frauen mit einem Score von 26 oder höher (17 Prozent) war die Chemotherapie zusätzlich zur endokrinen Therapie obligat.

Ermutigende Ergebnisse

Die Ergebnisse nach fünf Jahren waren ermutigend, was die Frauen mit einem Oncotype-DX-Score von maximal 10 betraf. 98 Prozent waren noch am Leben. 93,8 Prozent hatten keine invasiven Tumore, wozu auch kontralaterale Zweitkarzinome der Brust oder andere Malignome zählten - weißen Hautkrebs ausgenommen.

Von Fernmetastasen waren 99,3 Prozent verschont geblieben. 98,7 Prozent waren frei von Rezidiven in irgendeiner Form, sei es lokal, regional oder als Fernmetastasen.

Die Forscher sehen in den Ergebnissen einen Beleg, dass Frauen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs und freien axillären Lymphknoten unter alleiniger endokriner Behandlung sehr geringe Rückfallraten aufweisen, sofern sie ein günstiges Genexpressionsprofil aufweisen.

Dies war freilich nur bei 16 Prozent der Teilnehmerinnen der Fall. Interessant dürfte die Auswertung der Daten jener Frauen werden, immerhin zwei Drittel der Probandinnen, die einen Oncotype-DX-Score zwischen 11 und 25 aufgewiesen hatten und teils mit, teils ohne Chemotherapeutika behandelt wurden.

In Deutschland stehen Biomarker-basierte Tests für die Brustkrebstherapie derzeit nicht im Regelleistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Erstattet wird eine Untersuchung aber möglicherweise im Zuge von Einzelfallentscheidungen. Dabei geht es, was Oncotype DX betrifft, um Kosten in Höhe von rund 3000 Euro.

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