Ärzte Zeitung, 24.02.2017

3D-Mammografie

Weniger Kontrollen, mehr Biopsien

Mit einer Tomosynthese-Aufnahme zusätzlich zur 2D-Mammografie lässt sich die Rate an Kontrolluntersuchungen reduzieren. Doch zugleich wird die Biopsierate erhöht. Diese Erfahrungen haben US-Radiologen an ihrer Klinik bei der Untersuchung von fast 13.000 Frauen ab 35 gemacht.

Von Peter Leiner

Weniger Kontrollen, mehr Biopsien

Mit regelmäßiger Mammografie werden mehr Tumoren im frühen Stadium entdeckt.

© Francois Destoc / Maxppp / dpa

COLUMBUS. Für eine vergleichende, nicht randomisierte retrospektive Beobachtungsstudie werteten die US-Ärzte um Dr. Jaclynn L. Powell vom Ohio State University College of Medicine in Columbus die Befunde von fast 10.500 Frauen aus, bei denen beidseitig eine 2D-Mammografie vorgenommen worden war, sowie von mehr als 2300 Frauen, die sich zusätzlich einer digitalen Brust-Tomosynthese (DBT) unterzogen hatten (Acad Radiol 2017; 24(3): 302–307).

Mit der Tomosynthese lassen sich Überlagerungen von Gewebestrukturen, die Anlass für eine Fehldiagnose sein können, ausblenden, weil von der komprimierten Brust mehrere Bilder aus verschiedenen Winkeln aufgenommen werden.

Die verwendeten US-Befunde stammen aus dem Zeitraum zwischen Juni 2012, als das Tomosynthese-Gerät Selenia® Dimensions® von dem US-Unternehmen Hologic aus Malborough in Massachusetts an der Klinik installiert worden war, bis August 2014. Mit diesem Gerät werden pro Sitzung 15 Bilder aufgenommen.

Brustdichte im Blick

Insgesamt 1694 Frauen mit 2D-Mammografie wurden für bildgebende Kontrolluntersuchungen erneut einbestellt, in der Vergleichsgruppe waren es 318. Erfasst wurden in der Studie zum einen das Alter der Patientinnen und das Vorhandensein früherer Mammografieaufnahmen. Unter den klinischen Parametern waren die Brustdichte und Kalzifizierungen Grund für Kontrolluntersuchungen. Schließlich wurden unter den pathologischen Parametern invasive Karzinome, duktale Carcinomata in situ sowie benigne Veränderungen erfasst.

Die Auswertung der Befunde ergab, dass die Wahrscheinlichkeit für dichtes Brustgewebe und für frühere Mammografien in der Gruppe der Frauen mit DBT signifikant erhöht war (Odds Ratio [OR]: 2,0 bzw. 5,5). Dagegen war die Wahrscheinlichkeit für Kontrolluntersuchungen signifikant verringert – von 16 auf 14 Prozent (OR: 1,16 ).

Mehr Carcinoma in situ mit DBT

Die zusätzliche 3D-Bildgebung führte aber offenbar dazu, dass mehr Biopsien gemacht wurden, und zwar bei 19 Prozent statt nur bei 13 Prozent der untersuchten Patientinnen (OR: 1,64). Dadurch wurden jedoch offensichtlich nicht mehr Karzinome entdeckt, denn die Krebsfälle pro 1000 gescreenten Patientinnen von 5,2 (2D) und 7,8 (3D) waren nicht signifikant verschieden.

Schließlich war der positive Vorhersagewert von Brustkrebs, der bei einer Kontrolluntersuchung entdeckt wurde, in der Gruppe der Frauen mit Tomosynthese signifikant höher als in der Vergleichsgruppe (5,6 versus 3 Prozent). Zudem wurden signifikant mehr Carcinomata in situ nach DBT entdeckt (56 versus 39 Prozent bzw. absolut 10 versus 21). Das entspricht einer Rate pro 1000 gescreenten Frauen von 4,3 versus 2. Die Raten invasiver Tumoren unterschieden sich zwischen den beiden Gruppen nicht.

Leistung zum Selbstzahlen

Die Ergebnisse der Studie erfordern allerdings aufgrund von statistischen Verzerrungen noch prospektive Studien, unter anderem weil Patientinnen, die sich einer 3D-Mammografie unterziehen lassen wollten, diese Leistung selbst bezahlen mussten.

Zudem ist die Aussagekraft wegen der kleinen Subgruppen sehr stark eingeschränkt. Schließlich war die Wahrscheinlichkeit, dass eine DBT in Anspruch genommen wurde, bei Frauen ohne vorherige normale Mammografie und ohne dichtes Brustgewebe sehr gering: 96 Prozent der Frauen in der DBT-Gruppe hatten zuvor eine 2D-Mammografie.

Ergebnisse einer US-Studie

- Die Wahrscheinlichkeit für dichtes Brustgewebe und für frühere Mammografien war in der Gruppe der Frauen mit digitaler Brust-Tomosynthese (DBT) signifikant erhöht.

- Die Wahrscheinlichkeit für Kontrolluntersuchungen war mit DBT signifikant verringert (von 16 auf 14 Prozent).

- Die zusätzliche 3D-Bildgebung führte offenbar dazu, dass mehr Biopsien gemacht wurden, und zwar bei 19 Prozent statt nur bei 13 Prozent der Patientinnen.

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