Ärzte Zeitung, 10.06.2012

Appendizitis trotz Appendektomie

Manche erkranken zweimal an Appendizitis: wegen einer Duplikatur oder weil sich der Stumpf nach Appendektomie entzündet.

WOODSTOCK (eb). Die anamnestische Angabe einer Appendektomie, die typische Narbe im rechten Unterbauch oder auch die Narben nach einem laparoskopischen Eingriff schließen eine Appendizitis keinesfalls aus. Das bestätigt die Krankengeschichte eines jungen Mannes.

Der 19-Jährige hatte wegen periumbilikaler Bauchschmerzen, die seit fünf Tagen bestanden und sich in den rechten unteren Quadranten verlagert hatten, die Nothilfe aufge sucht, berichten Forscher aus Woodstock/Ontario (Canad. Med. Assoc. J. 184 (2012); 1, E83).

Anamnestisch lag ein Zustand nach laparoskopischer Appendektomie wegen perforierter Appendizitis vor. Der Ultraschall ergab keinen Befund, und der Patient wurde mit der Diagnose "Gastroenteritis" stationär aufgenommen. In der Nacht bekam er Fieber, eine Leukozytose von 2000/µl und Zeichen einer Peritonitis. Das Abdomen-CT zeigte freie Flüssigkeit, freie Luft und Kotsteine rechts parakolisch.

Mit der Diagnose einer komplizierten Appendizitis wurde der Patient laparatomiert. Nach Mobilisierung des Coecums zeigte sich ein großer parakolischer Abszess, in dem eine nach retrozökal geschlagene, perforierte und nekrotische Appendix erkennbar war. Die Stelle der früheren Appendektomie konnte nicht identifiziert werden.

Ärzte überrascht nach Blick in Krankenakte

Der abschließende pathologisch-anatomische Befund ergab eine eitrige Appendizitis mit Perforation. Zur Überraschung der Ärzte zeigte ein Blick in die Krankenakten des Patienten, dass diese Diagnose auch bei der ersten Appendektomie gestellt wurde. Offensichtlich lag eine Appendix-Duplikatur mit metachroner Appendizitis vor.

Eine retrozökal liegende Duplikatur der Appendix entsteht dadurch, dass sich eine in der sechsten Embryonalwoche vorübergehend vorhandene Ausstülpung des Zökums nicht zurückbildet, erläutert Professor Hermann Füeßl aus München in einem Kommentar (MMW - Fortschritte der Medizin 2012; 154 (5): 42).

Sie soll bei etwa 0,004-0,009 % der Bevölkerung vorkommen. Der häufigste Grund für Schmerzen im rechten unteren Quadranten, Fieber und Leukozytose ist zweifelsohne die Appendizitis.

Eine Narbe im rechten Unterbauch oder die Anamnese einer Appendizitis schließen diese Diagnose nicht aus, da immer noch die Möglichkeit einer sogenannten Stumpf-Appendizitis oder eines Rezidivs aufgrund einer Appendix-Duplikatur besteht.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Morphin bei Herzinfarkt – unverzichtbar aber umstritten

Morphin bei Herzinfarkt-Patienten: Die Sicherheit des Schmerzmittels hat sich in einer aktuellen Studie bewährt. Zweifel über ein mögliches Risiko bleiben aber vorerst. mehr »

Zu viele Hausbesuche = Regress!

Zwei hessische Landärzte wurden in Regress genommen, weil sie deutlich mehr Hausbesuche als ihre Kollegen absolviert haben. Über 50.000 Euro sollen sie zurückzahlen. Die Ärzte verstehen die Welt nicht mehr - und wehren sich. mehr »

Tot oder nicht tot – das ist hier die Frage

Särge mit Ausgängen und Glöckchen um die Arme: Schon seit Jahrhunderten ziehen Wissenschaftler die Eindeutigkeit des Todes in Zweifel. Eine neue Ausstellung in Berlin zeigt Exponate, die dem Scheintod ein Schnippchen schlagen sollten. mehr »