Ärzte Zeitung, 11.06.2008

KOMMENTAR

Ausstieg aus dem Hamsterrad

Von Thomas Müller

Wenn drei Viertel der Kassenärzte angeben, dass ihr Privatleben leidet, weil sie in der Praxis zu viel zu tun haben; wenn nur noch knapp ein Fünftel von ihnen behauptet, Zeit für andere Interessen zu haben, dann erübrigen sich Spekulationen, wie viele Ärzte tatsächlich ausgebrannt sind. Denn solche Umfrageergebnisse zeigen klar, dass die meisten Ärzte völlig überlastet sind. Und von diesem Zustand ist es nicht mehr weit zum Burnout.

Offenkundig ist jedoch auch, dass gerade Ärzte sich schwer damit tun, diese Überlastung zuzugeben. Ein Helfer, der Schwächen zeigt - mit diesem Selbstbild kommen nur wenige klar. Und dennoch ist die Erkenntnis, dass auch die Kräfte von Ärzten nicht unerschöpflich sind, der erste Schritt, um einen Weg zu verlassen, auf dem man vielleicht eines Tages die Lust an der Arbeit komplett verliert. Der Königsweg kann aber nicht die Rückgabe der Kassenzulassung sein - genau das haben viele der Ärzte getan, die jetzt ihre Kollegen zu Burnout beraten. Nicht jeder wohnt aber in einer Gegend, in der er von seinen Privatpatienten leben kann.

Um den Ausstieg aus dem Hamsterrad zu schaffen, muss man schon früher auf die Bremse treten und klare Prioritäten setzen: Das eigene Wohlergehen und das der Familie zählen im Zweifelsfall mehr als das der Patienten. Denn wer nicht auf die eigene Erholung achtet und sich bei der Arbeit komplett verausgabt, der kann bald niemandem mehr helfen, der braucht dann selbst Hilfe.

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