Ärzte Zeitung, 21.04.2005

Schutz für Nervenzellen gesucht

Neue Anti-Parkinson-Mittel sollen den Tod von dopaminergen Zellen bremsen

FRANKFURT AM MAIN (grue). Zur Therapie von Parkinson-Patienten wird nicht nur an neuen Medikamenten geforscht, die die Symptome lindern, sondern auch an solchen, die neuroprotektiv wirken.

Neuroprotektive Therapien, die den Verlauf der Parkinson-Krankheit verlangsamen, sollten nach Auffassung von Neurologen am dringlichsten erforscht werden. Sie erwarten auch neue Therapien zur Kontrolle Medikamenten-induzierter motorischer Komplikationen, zur Besserung von Körperhaltungs- und Gangstörungen, zur Behandlung wegen der Parkinson-Demenz und zur Linderung therapiebegleitender unerwünschter Wirkungen bei älteren Patienten.

In dieser Reihenfolge ordneten Ärzte bei einer Befragung im vorigen Jahr den Therapiebedarf ein, und diese Rangfolge entspreche im wesentlichen auch der Zielsetzung forschender Pharmaunternehmen, hat Dr. Bastian Hengerer von Boehringer Ingelheim bei einer Veranstaltung des Unternehmens in Frankfurt am Main gesagt.

Allerdings seien Medikamente mit grundlegend neuen Wirkprinzipien in den nächsten Jahren nicht in Sicht. Der Schwerpunkt der medikamentösen Therapie liege weiterhin bei dopaminergen Wirkstoffen, von denen sich außer L-Dopa auch Dopamin-Agonisten wie Pramipexol (Sifrol®) seit Jahren bewährt haben.

Leider gebe es keine guten Tiermodelle für die Parkinson-Krankheit, was das Verständnis der Pathophysiologie erheblich erschwere. "Das ist auch ein Grund, warum es noch keine kausalen Therapien gibt", sagte Hengerer.

Immerhin konnten mit der Entdeckung von Genen, die mit seltenen erbliche Formen der Parkinson-Krankheit einhergehen, mehrere molekulare Mechanismen der Krankheitsentstehung aufgedeckt werden. So scheint die Verklumpung von unlöslichem alpha-Synuclein den Untergang von Nervenzellen zu beschleunigen. Diese zelltoxischen Oligomere kurbeln offenbar auch den Abbau von Zellbestandteilen an, so Hengerer.

Substanzen, die entweder die Bildung von alpha-Synuclein verhindern oder die Protein-abbauende Aktivität bremsen, seien vermutlich kausal wirksam. Bekannt sind auch einige Umwelteinflüsse, die bei der Entstehung von Morbus Parkinson wichtig sind. Dazu zählen Rauchen, Kaffeekonsum, Infektionen und Ernährungsverhalten.

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