Pflastertherapie jetzt auch bei fortgeschrittenem M. Parkinson

FRANKFURT/MAIN (cin). Auch Patienten mit fortgeschrittenem M. Parkinson kann nun ein Pflaster mit dem nicht ergolinen Dopamin-agonisten Rotigotin verordnet werden. "Das Parkinson-Pflaster kann es mit einer oralen Therapie aufnehmen", sagte Professor Heinz Reichmann von der Uni Dresden.

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Bei 506 Patienten mit Parkinson im Spätstadium war das Rotigotin-Pflaster (Neupro®) mit einer Dosis bis zu 16 mg gegen 4,5 mg Pramipexol und gegen Placebo getestet worden. Einige Daten der CLEOPATRA-PD*-Studie, die nun zur Zulassung eingereicht worden ist, sind auf einer Veranstaltung von Schwarz Pharma in Frankfurt am Main vorgestellt worden. Nach 16 Wochen Therapie kam es mit dem Rotigotin-Pflaster zu einer signifikanten Reduktion der Off-Phasen - also der Phasen schlechter Beweglichkeit - um 2,4 Stunden im Vergleich zu 0,9 Stunden mit Placebo. Mit Pramipexol waren es 2,8 Stunden. Dabei traten mit dem Pflaster seltener Dyskinesien auf als mit Pramipexol.

Nur einmal täglich - den Zeitpunkt können sie frei wählen - müssen die Patienten das Pflaster aufkleben, sagte Dr. Stefan Ries aus Erbach. Die Handhabung sei auch für Patienten mit Parkinson einfach. Mögliche Applikationsstellen sind Oberschenkel, Flanken, Oberarm, Schulter, Bauch und Hüfte. Dabei sollten sie das Pflaster jeden Tag an eine andere Stelle kleben, und die gleiche Stelle frühestens nach 14 Tagen wieder benutzen. Bei rasierter Haut sei ein Sicherheitsabstand sinnvoll, da Mikrotraumen die Aufnahme über die Haut verändern könnten, so der niedergelassene Neurologe. Löst sich ein Pflaster, ist es möglich, einfach ein neues aufzukleben. Am nächsten Tag beginnt dann wieder der übliche Rhythmus.

Mit der neuen Therapieform haben Patienten weniger Schlafstörungen und können sich morgens besser bewegen, so Ries. Zudem empfänden es vor allem jüngere als positiv, dass sie mit Pflaster Sport treiben - sogar schwimmen - und duschen könnten. Danach sollten sie allerdings den korrekten Sitz des Pflasters überprüfen, rät der Neurologe.

"Vermieden werden müssen Saunagänge, direkte Sonnenbestrahlung und Wärmflaschen", warnte Ries. Bei Hitze lösen sich die Formulierungen schneller. Die Pflaster sollten daher nach Möglichkeit unter 25° Celsius gelagert werden. Zudem müsse das Pflaster etwa vor einer MRT entfernt werden, da bestimmte Inhaltsstoffe sich erhitzen und zu Verbrennungen führen können.

*Clinical Efficiacy Of Pramipexole And Transdermal Rotigotine in Advanced Parkinson‘s Disease



STICHWORT

Transdermales Pflaster

Beim Rotigotin-Pflaster handelt es sich um ein transdermales Pflaster, bei dem die Haut die Aufnahmegeschwindigkeit des Wirkstoffs reguliert, erklärt die Hamburger Professorin Claudia S. Leopold. Vorteile der Pflastertechnik: Wirkstoffe gelangen direkt über die Haut in die Blutgefäße, ohne dass sie den Magen-Darm-Trakt und die Leber durchlaufen müssen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass es bei Beschädigung nicht zur plötzlichen Abgabe der Substanz und damit zu einer Überdosierung kommt. Zwei Tipps der Pharmazeutin: "Patienten müssen darüber aufgeklärt werden, dass sie die Pflaster nur auf intakte Haut kleben und die Klebestelle nicht vorher mit Lotion oder Creme einreiben dürfen." (eb)

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