Ärzte Zeitung, 13.09.2005
 

Pregabalin flexibel dosiert ist besonders verträglich

Schmerzen werden bereits nach zwei Wochen verringert / Auch Schlafstörungen vermindern sich

DÜSSELDORF (run). Die Wirksamkeit von Pregabalin zur Therapie bei neuropathischen Schmerzen ist jetzt erneut in einer kontrollierten Studie bestätigt worden. Dabei erwiesen sich flexible Dosierungen als ähnlich effektiv, aber besser verträglich als ein fixe Dosierung.

An der zwölfwöchigen Multicenter-Studie unter Leitung von Professor Rainer Freynhagen vom Uniklinikum Düsseldorf haben Patienten mit chronischer postherpetischer Neuralgie oder schmerzhafter diabetischer Polyneuropathie teilgenommen.

Die Schmerzintensität betrug zu Studienbeginn mindestens 40 auf einer visuellen Skala von 0 (kein) bis 100 (schlimmster Schmerz). Die Patienten wurden nach Zufallsauswahl entweder einer Placebo-Gruppe - 65 Patienten - oder einer von zwei Verum-Gruppen mit Pregabalin (in Deutschland als Lyrica® erhältlich) zugeteilt.

Dabei wurden 141 Patienten nach einem flexiblen Plan mit 150 bis 600 mg Pregabalin pro Tag behandelt. Die Dosis konnte wöchentlich in 150- mg-Schritten je nach Ansprechen und Verträglichkeit erhöht werden. Dies entspricht in etwa den derzeitigen Dosierungsempfehlungen.

    Viele Patienten brauchen keine Höchst-Dosen.
   

Die zweite Gruppe mit 132 Patienten erhielt nach einem festen Plan 300 mg Wirkstoff pro Tag - das ist die übliche Tagesdosis - für eine Woche, gefolgt von 600 mg (Tageshöchstdosis) für weitere elf Wochen, also die für Studien üblichen Dosierungen.

Wie die Wissenschaftler berichten, verminderte die Pregabalin-Therapie die Schmerzen bei fixer Dosierung bereits nach einer Woche, bei flexibler Dosierung nach zwei Wochen (Pain 115, 2005, 254). 48 Prozent der Patienten mit flexibler und 52 Prozent der Patienten mit fixer Dosierung gaben eine deutliche Schmerzlinderung an, entsprechend einer Minderung des Schmerzscores um 50 Prozent. Mit Placebo war das nur bei 24 Prozent der Fall.

Und auch auf Schlafstörungen, die bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen häufig sind, wirkte sich die Therapie positiv aus. Nach zwölf Wochen waren beide Pregabalin-Behandlungen bei diesem sekundären Endpunkt der Placebo-Therapie signifikant überlegen.

Bei der Verträglichkeit schnitt das flexible Dosierungsschema besser ab als das fixe: 17 Prozent versus 25 Prozent der Patienten brachen die Behandlung wegen unerwünschter Effekte ab. Unter Placebo waren es knapp acht Prozent.

Die Forscher ziehen aus den Studiendaten den Schluß, daß im klinischen Alltag unerwünschte Ereignisse besser durch einen individuellen Therapieplan gehandhabt werden können. Viele Patienten benötigten offenbar auch keine Pregabalin-Dosis am oberen Ende der Dosierungsspanne.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »