Ärzte Zeitung, 17.02.2016

Opioidtherapie

Erhöhtes Frakturrisiko nicht bestätigt

Bei älteren Männern ist eine Opioidtherapie möglicherweise nicht mit einem erhöhten Sturz- und Frakturrisiko assoziiert.

MINNEAPOLIS. Dem Zusammenhang zwischen Opioidtherapie und Sturz- und Frakturrisiko gingen US-Wissenschaftler in einer aktuellen Auswertung der prospektiven Längsschnittstudie MrOS (Osteoporotic Fractures in Men Study, J Gen Int Med 2016; online 11. Januar) nach.

An der Studie hatten fast 6000 Männer im Alter von mindestens 65 Jahren teilgenommen. Das Follow-up lag bei 9,1 Jahren.

Für die Auswertung bezogen die US-Ärzte und Gesundheitsforscher um Dr. Erin E. Krebs vom Minneapolis VA Health Care System die Befunde von 2902 Studienteilnehmern ein, die zu Studienbeginn muskuloskeletale Schmerzen im Rücken, in der Hüfte oder in den Knien hatten.

Informationen zur Analgesie - mit dem Fokus auf Opioiden als Mono- oder Kombitherapie - wurden zu Studienbeginn und im Mittel 4,6 und 6,9 Jahre später nach Patientenangaben dokumentiert. Von mehr als 99 Prozent der Studienteilnehmer waren die Antworten der alle vier Monate vorgenommenen Befragungen zu Stürzen und Knochenbrüchen verfügbar.

Alle Frakturen waren röntgenologisch oder im Nachhinein durch Auswertung der Bildgebung bestätigt worden.

Insgesamt 309 Studienteilnehmer (13,4 Prozent) hatten angegeben, Opioide zu verwenden. Bis zum dritten Untersuchungstermin war der Anteil der Patienten mit Opioidbehandlung von 4,7 auf 10,5 Prozent gestiegen. Über den Beobachtungszeitraum von mehr als neun Jahren berichteten 83,1 Prozent (n = 2413) der Teilnehmer, mindestens einmal gestürzt zu sein, 16,5 Prozent (n = 479) hatten jeweils mindestens eine Fraktur, 3,3 Prozent (n = 96) Hüftfrakturen erlitten.

Weil eine randomisierte Gruppenzuteilung nicht möglich ist, wandten die Wissenschaftler das Propensity-Score-Verfahren an, um Verzerrungen des Studienergebnisses etwa durch Alter, BMI oder auch Knochendichte und Alkoholkonsum zu minimieren.

Der Auswertung zufolge gab es beim Sturzrisiko zwischen den Gruppen mit und ohne Opioidtherapie keinen signifikanten Unterschied. Das relative Risiko (RR) lag mit Anwendung des Propensity-Score-Verfahrens bei 1,10 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,99 und 1,24; p = 0,083). Ebenfalls nicht signifikant waren die Unterschiede bei Betrachtung jeglicher Fraktur (RR: 1,13; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,94 und 1,36; p = 0,209) bzw. von Hüftfrakturen (RR: 1,64; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,97 und 2,79; p = 0,065), was allerdings dem Ergebnis einer Metastudie von 2007 widerspricht (Drug Saf. 2007; 30: 171-184).

Da die Zahl der Stürze in der aktuellen Studie insgesamt relativ gering war, hat sie jedoch vor allem zu Hüftfrakturen möglicherweise keine ausreichende Aussagekraft. Schließlich stellte sich in der Studie heraus, dass bei Patienten mit Opioidtherapie die körperliche Leistungsfähigkeit - gemessen anhand von Griffstärke, Kraft in den Beinen, Ganggeschwindigkeit und Balance beim Gehen - geringer als in der Vergleichsgruppe war.

Jedoch gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden Gruppen bei der Abnahme dieser Leistungsfähigkeit im Verlauf der Studie.Weitere Studien seien nötig, um beurteilen zu können, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen Opioidtherapie und dem Risiko für Stürze, Frakturen und Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit gibt, so die Wissenschaftler. (ple)

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