Ärzte Zeitung, 08.03.2018

Schmerzmediziner wollen mehr Geld

"Die Krankenkassen sind nicht die Sparkasse"

Die prall gefüllten Kassen der GKV verärgern die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin. Ihre Forderung: Für Patienten mit schweren Schmerzen soll mehr Geld fließen.

Von Christoph Fuhr

Statement von Dr. Johannes Horlemann zum Thema Cannabis-Einsatz

FRANKFURT/MAIN. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DSG) will nicht länger akzeptieren, dass die Kassen der Gesetzlichen Krankenversicherung überquellen, zugleich aber die Versorgung von Menschen mit schweren chronischen Schmerzen erhebliche Defizite hat.

"Die Krankenkassen sind nicht die Sparkasse der Versichertengelder", kritisierte DGS-Vizepräsident Dr. Johannes Horlemann zum Auftakt des Deutschen Schmerztags am Mittwoch in Frankfurt. Von den Kassen dürfe erwartet werden, dass schwerstkranke Menschen nicht durch Antragsverfahren zermürbt werden.

Schmerzmediziner wollen mehr Geld für Versorgung von Kassen

Gemeinsam engagiert für Schmerzpatienten: Dr. Oliver Emrich und Dr. Johannes Horlemann (beide DGS-Vizepräsidenten), Dr. Gerhard Müller-Schwefe (DGS-Präsident), Dr. Michael Überall (DGS-Vizepräsident , von links).

© Christoph Fuhr

Horlemann kritisierte "sinnlose Verzögerungstaktiken in Genehmigungsverfahren für Medikamente." Dies gelte insbesondere für Cannabis.

Kritik an Vergütungsstrukturen

Die DGS belässt es nicht bei diesen Forderungen, sondern nennt weitere Defizite. "Die gegenwärtigen Arbeits- und Vergütungsstrukturen in der Schmerzmedizin müssen dringend attraktiver werden", mahnte DGS-Vizepräsident Dr. Oliver Emrich.

Nur so gebe es eine Chance, junge Ärzte für Patienten zu begeistern, die als "austherapiert" gelten. Sie seien von Orthopäden, Neurologen, Internisten, Onkologen oder Allgemeinmediziner behandelt worden, allerdings habe man ihre Schmerzen nicht lindern können.

Positiv positioniert sich die DGS mit Blick auf neue Telematik-Projekte der Kassenärztlichen Bundesvereinigung "Sie bieten Chancen der Vernetzung aller relevanten Berufsgruppen rund um den chronischen Schmerz", sagte Horlemann.

Dr. Gerhard Müller-Schwefe zum Kongress-Motto Digitalisierung

Die DGS hat für den Schmerztag 2018 ein Zukunftsmotto gewählt: Schmerzmedizin 4.00 – Digitalisierung/Vernetzung/Kommunikation". Dieses Thema sei herausfordernd und werfe zugleich viele Fragen auf, sagte DSG-Präsident Dr. Gerhard Müller-Schwefe. "Wo sind die Grenzen des ethisch Machbaren? Wo bewegen wir uns in den ethischen Grenzbereichen der Medizin?"

Müller-Schwefe erwartet rasante Veränderungen in der Arzt-Patienten-Beziehung, die auch im Bereich Schmerz relevant werden. Digitalisierung bedeute "Waffengleichheit", sagte er. Patienten nutzten die Chance, sich schnell und umfassend etwa online über Krankheitsbilder zu informieren Dabei könne es sich durchaus auch um "Fake News" handeln, "damit müssen wir umgehen können", sagte er.

Zähes Versorgungssystem

Müller-Schwefe bemängelte ein völlig überlastetes, zähes Versorgungssystem mit gravierenden Verzögerungen bei Behandlungen. Immer noch stehe die Zahl von etwa tausend speziellen Schmerztherapeuten in Deutschland in keinem Verhältnis zur Zahl der 3,4 Millionen Menschen mit schweren chronischen Schmerzen, sagte er.

Der Deutsche Schmerz- und Palliativtag ist mit fast 2000 Teilnehmern größter deutscher Versorgungskongress für den Bereich Schmerz. Er endet am Samstag.

Warum Vernetzung und Kommunikation in der Schmerzmedizin wichtig sind

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