Ärzte Zeitung, 24.05.2013
 

Tennis

Eine Gefahr für die Wirbelsäule

Sport hält gesund. Doch falsch betrieben, kann er auch schädlich sein. Australische Sportmediziner haben das jetzt bei Tennisspielern gezeigt. Vor allem der Aufschlag ist offenbar nicht ohne - bis hin zu Frakturen der Lendenwirbel.

Von Peter Leiner

Eine Gefahr für die Wirbelsäule

Rotation und Seitneigung belasten die Wirbelsäule stark.

© lassedesign/Fotolia.com

PERTH. Beim Aufschlag im Tennis ist die Kraftwirkung bei Lateralflexion des Rumpfes bei Spielern mit Rückenschmerz in der Anamnese etwa achtmal so groß wie beim Laufen, wenn es sich um eine gekoppelte Bewegung handelt - also gleichzeitig Rotation und Seitneigung - und die Wirbelsäule vertikal stark belastet wird.

Dass beim Topspin-Aufschlag und beim Aufschlag ohne Drall die LWS stark belastet wird, haben australische Sportmediziner erstmals in einer Untersuchung mit 20 männlichen erwachsenen Profitennisspielern dokumentiert (Med Sci Sports Exerc 2013; online 6. März).

Sieben Spieler hatten in der Anamnese Rückenschmerzen, die zeitweise das Spielen einschränkten, sowie Schäden in der Lumbalregion im Bereich L4/L5. Die übrigen 13 Männer waren rückengesund und dienten als Kontrollgruppe. Alle Spieler mit Ausnahme von einem waren Rechtshänder.

In ihrer kleinen Studie verwendeten die Sportmediziner das Vicon Motion Analysis System, mit dem die Bewegungen des Schlägers, der Arme und Beine, des Rumpfs und der Lendenwirbelregion über am Körper befestigte Lichtpunkte während der beiden Aufschlagarten digital aufgezeichnet und analysiert werden können.

Mit einem passenden mathematischen Modell wurden Kinetik und Kinematik der Lendenregion, die Geschwindigkeit des Tennisschlägers und die Position des Balls beim Auftreffen auf den Schläger berechnet.

In der Phase des Aufschlags, wenn der Ball getrieben wird (Drive, Ausschwungphase), nachdem die Lendenwirbelsäule in der Schlagphase gedehnt worden ist, kommt es zur Rotation und zur Beugung des Rumpfes zur Seite des Schlägers hin.

Belastungen bin hin zu Stressfrakturen

Maximale Dehnung und seitliche Beugung geschehen gleichzeitig. In der anschließenden Phase mit Vorwärtsbewegung des Armes kommt es zur gegenläufigen Gelenkrotation. Die vertikale Belastung wird absorbiert.

Auffallend war bei Spielern mit Rückenschmerz in der Anamnese während der Ausschwungphase eine deutlich geringere Rotation in der Transversalebene (zum Schläger hin) als bei Spielern ohne Rückenschmerz.

Auch dokumentierten die Sportmediziner eine stärkere Rotation nach links, also weg vom Schläger, im Bewegungsablauf nach dem Aufschlag (forward-swing).

Aufgrund der Messdaten vermuten sie, dass sich die Spieler der Schmerzgruppe während der Drive-Phase nach beiden Aufschlagvarianten stärker und schneller nach rechts beugten als die Vergleichsgruppe.

Außerdem wendeten sie in der Ausschwungphase nach links - unabhängig von der Art des Aufschlags - mit einem Unterschied von 1,5 N eine deutlich größere Kraft auf. In dieser Phase sind die vertikalen Kräfte ähnlich wie bei Joggern. Die Kräfte für die Lateralflexion sind um das Achtfache höher.

Nach Ansicht der Sportmediziner kann das zu Schäden an der Wirbelsäule und zu Rückenschmerzen führen. Das sei bei fünf der sieben Spieler mit Rückenschmerz in der Anamnese der Fall und per MRT dokumentiert, etwa anhand von Stressfrakturen in der Region L4 oder L5.

Kompressionen und vertikale Kräfte, kombiniert mit Dehnungen, können den L5-Wirbel so stark belasten, dass es zu Schädigungen kommt.

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