Ärzte Zeitung, 15.06.2016
 

Metaanalyse

Schmerzender Rücken: Opioide helfen kaum

Selbst mit höher dosierten Opioiden lässt sich bei chronischem Rückenschmerz keine klinisch relevante Linderung erreichen. Dies hat eine Metaanalyse zu Opioiden ergeben.

SYDNEY. Opioidanalgetika werden bei schweren chronischen Rückenschmerzen häufig verschrieben, ihre Anwendung ist jedoch umstritten und hinsichtlich der Dosierung bestehen nach wie vor Unsicherheiten. Bei einem systematischen Review verschafften sich Forscher von der Uni Sydney einen Überblick über Placebo-kontrollierte randomisierte Studien zum Thema (JAMA Intern Med 2016, online 23. Mai).

Analyse von 20 Studien

Insgesamt analysierten sie 20 Studien mit 7925 chronischen Rückenschmerzpatienten, die über maximal zwölf Wochen mit Opioiden behandelt worden waren. Primärer Bewertungsmaßstab war der Schmerz, dessen Stärke auf einer Skala von 0-100 gemessen wurde.

Eine Reduktion von mehr als 20 Score-Punkten galt dabei als klinisch relevant. In 13 Studien zeigte sich eine mäßiggradige Evidenz für die kurzfristige Linderung des chronischen Rückenschmerzes durch Opioidanalgetika.

Der Score reduzierte sich durchschnittlich allerdings nur um 10 Punkte. Eine hohe Evidenz mit mittlerer Schmerzreduktion von 8 Punkten ergab sich in weiteren sechs Studien. Auch Kombinationstherapien brachten keinen nennenswerten Erfolg. Zur Besserung der körperlichen Beeinträchtigung fanden die Autoren nur wenige Daten von geringer Evidenz.

Klinisch relevante Verbesserung trotz hoher Dosierung nicht gegeben

Insgesamt ergab sich eine mäßiggradige Evidenz dafür, dass Opioidanalgetika chronische Rückenschmerzen kurz- bis mittelfristig lindern können. Innerhalb eines Bereichs von 40-240 mg Morphinäquivalenten/Tag konnte zwar mit steigender Dosis eine stärkere Schmerzreduktion beobachtet werden, eine klinisch relevante Verbesserung von mehr als 20 Score-Punkten wurde aber auch mit der höchsten Dosierung nicht erreicht.

Die Autoren räumen ein, dass es sich hier um Durchschnittswerte handle und in Einzelfällen eine deutliche oder aber auch keinerlei Linderung möglich sei.

Abbrecherquote hoch

Hoch war allerdings die Aussteigerquote aus den Studien: Infolge der Nebenwirkungen oder wegen mangelnder Wirksamkeit hatte mindestens jeder zweite Teilnehmer die Therapie abgebrochen.

Die Forscher schlussfolgern: Für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, die Opioidanalgetika vertragen, könnten diese kurzfristig eine geringe Schmerzreduktion herbeiführen. Der erreichte Effekt sei für die innerhalb der Leitlinien empfohlenen Dosierungen allerdings klinisch wahrscheinlich nicht relevant. Zudem fehlten bislang Beweise für einen Langzeitnutzen und auch über die Wirksamkeit von Opioidanalgetika bei akuten Kreuzschmerzen sei nichts bekannt. (St)

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