Rheuma

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Modul: Medikamentöse Therapie der rheumatoiden Arthritis und ihrer Komorbiditäten

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Ärzte Zeitung, 06.10.2015

Fibromyalgie

Keine Hau-drauf-Strategien!

Die Forschung zur Fibromyalgie liefert spannende Erkenntnisse. Doch das in bessere Therapien zu übersetzen, fällt den Rheumatologen schwer.

ROM. Wer Patienten mit Fibromyalgie therapiert, weiß sich oft nicht anders zu helfen als mit unspezifischen, stark wirksamen Medikamenten.

Im Namen der kurzfristig verhinderten Fibromyalgieexpertin Professor Leslie Crofford von der Vanderbilt Universität in den USA berichtete Professor J.A. Pereira da Silva von der Universität Coimbra, Portugal, beim EULAR 2015 in Rom über eine aktuelle Analyse zur realen Versorgungssituation bei Fibromyalgie (BMJ Open 2015; 5(3): e006681).

In dieser retrospektiven Erhebung bei 1111 Fibromyalgie-Patienten zeigte sich, dass 89 Prozent der Patienten zusätzlich zur muskulären Symptomatik chronische Gelenkschmerzen aufwiesen. 62 Prozent litten an Migräne, und bei 75 Prozent lag eine Depression vor.

Die Behandlung erfolgte oft mit unspezifischen, stark wirksamen Medikamenten: 22 Prozent nahmen Opioide ein, und 19 Prozent Benzodiazepine. "Von beidem wird bei Fibromyalgie eigentlich explizit abgeraten", so da Silva.

Das Problem ist, dass spezifische Therapien nach wie vor nicht zur Verfügung stehen. Es gibt viele neue Erkenntnisse, aber die führen oft zu noch mehr Fragezeichen. Als Beispiel nannte da Silva die Beobachtung, dass bei einem gewissen Anteil der Fibromyalgiepatienten die Dichte der intraepidermalen Nervenfasern stark verringert ist.

Dies sei eindeutig nachweisbar, aber es korreliere weder mit der Erkrankungsdauer noch mit der Schmerzsymptomatik: "Es könnte auch eine Folge geringerer körperlicher Aktivität sein, wir wissen es einfach nicht."

Kleinhirn wohl stärker in Schmerzverarbeitung involviert

Eine Reihe neuer Erkenntnisse hat in den letzten Jahren auch die neuronale Bildgebung geliefert. So gibt es Hinweise, dass das Kleinhirn bei Patienten mit Fibromyalgie stärker als bei anderen Menschen in die Schmerzverarbeitung involviert ist.

Auch die hohe Bedeutung katastrophisierender Gedanken bei der Fibromyalgie konnte mittlerweile per Neuro-Imaging sichtbar gemacht werden.

Bei Patienten, bei denen sich in der Bildgebung eine ausgeprägte Schmerzerwartung nachweisen lässt, reichen demnach sehr viel geringere Schmerzreize für ein starkes Schmerzerlebnis aus als bei Patienten mit weniger Schmerzerwartung.

Funktional geht das Katastrophisieren mit einer geringeren Aktivität im präfrontalen Kortex einher, was ein Angriffspunkt für Therapien sein könnte.

"Nicht pharmakologische Strategien dürften dabei am aussichtsreichsten sein", betonte da Silva. Denkbar seien zum Beispiel transkranielle magnetische oder elektrische Stimulationsverfahren, mit denen Kortexregionen mit zu geringer Aktivität gezielt angeregt werden könnten.

Auch eine Stimulation auf Rückenmarksebene werde diskutiert. Insgesamt seien die Studienergebnisse dazu aber widersprüchlich. "Wir müssen bei diesen Studien auch von einem erheblichen Publikationsbias ausgehen", betonte der Rheumatologe.

Insgesamt hat die Fibromyalgie-Forschung der letzten Jahre für die Patienten bisher noch keine therapeutischen Durchbrüche erzielt. Als am Erfolg versprechendsten gelten weiterhin kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze, verknüpft mit einer effektiven Therapie der Komorbiditäten.

Von pharmakologischen Hau-drauf-Strategien mit Opioiden und Benzodiazepinen sollten Ärzte Abstand nehmen. (gvg)

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