Ärzte Zeitung, 01.02.2012

Wie oft zur Knochendichtemessung?

Weniger als ein Prozent der 67-jährigen Frauen mit normaler Knochendichte bekommen in den darauf folgenden 15 Jahren eine Osteoporose. Bei fort geschrittener Osteopenie erkranken zehn Prozent aber bereits nach einem Jahr.

Von Christine Starostzik

Wie oft zur Knochendichtemessung?

Die Knochendichtemessung nach der DXA-Methode wird je nach Lebensalter und weiteren Risikofaktoren zur Osteoporose-Diagnostik empfohlen.

© Klaus Rose

NEU-ISENBURG. In welchen Zeitabständen sollen ältere Frauen auf Osteoporose untersucht werden? In einer US-Studie wurde gezeigt, wie sich die Screening-Intervalle an den Ausgangsbefunden der Knochendichtemessung orientieren können.

In welchem Zeitraum sich bei älteren Frauen eine Osteoporose entwickelt, untersuchte eine Kohortenstudie (NEJM 2012; 366(3): 225-233). Bei normaler Knochendichte zeigten weniger als ein Prozent der Frauen in den darauffolgenden 15 Jahren Anzeichen einer Osteoporose.

Bestand bei der ersten Messung bereits eine leichte Osteopenie, lag die Quote bei fünf Prozent. War die Osteopenie bereits mittelstark oder fortgeschritten, ging sie bei rund 30 beziehungsweise 62 Prozent während der Beobachtungszeit in eine Osteoporose über.

Die Knochendichtemessung mittels DXA (dual-energy x-ray absorptiometry) wird nach der aktuellen DVO-Leitlinie für alle Frauen über 70 Jahre empfohlen - unabhängig von weiteren Risikofaktoren. Bislang existieren nur wenige und sehr unterschiedliche Daten dazu, in welchen Zeitabständen die Untersuchung wiederholt werden sollte.

Knochendichte wurde bei fast 5000 Frauen gemessen

Um die Zeitabläufe für die Entwicklung einer Osteoporose einschätzen zu können, beobachteten die Autoren insgesamt 4957 Frauen ab 67 Jahren mit normaler Knochenmineraldichte (T-Score an Oberschenkelhals und Hüftgelenk ≥ minus 1,0) oder Osteopenie (T-Score minus 1,01 bis minus 2,49) über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren. Mit dem T-Wert wird die Standardabweichung von der durchschnittlichen Knochendichte eines jungen gesunden Erwachsenen angegeben.

Entsprechend ihres T-Scores wurden die Probandinnen in vier Gruppen eingeteilt. Nach der Anzahl der Frauen, die eine Osteoporose entwickelten, wurde berechnet, in welchem Zeitraum 10 Prozent der Frauen der jeweiligen Gruppe diesen Zustand erreicht hatten. Dabei zeigte sich eine Abhängigkeit vom Ausgangs-T-Score des Hüftgelenks.

Bei Frauen mit anfänglich normaler Knochendichte (T-Score ≥ minus 1,0) hatten erst nach rund 17 Jahren 10 Prozent eine Osteoporose entwickelt. Lag zu Beginn bereits eine leichte Osteopenie (T-Score minus 1,01 bis minus 1,49) vor, ergab sich nahezu das gleiche Zeitintervall.

War die Vorstufe der Osteoporose bereits in einem mittelstarken Stadium (T-Score minus 1,5 bis minus 1,99) angekommen, genügten rund fünf Jahre, bis die Osteopenie bei 10 Prozent in eine Osteoporose übergegangen war. Und bei fortgeschrittener Osteopenie (T-Score minus 2,0 bis minus 2,49) war nur ein Ein-Jahres-Intervall nötig.

Als signifikante Einflussfaktoren zeigten sich zudem Alter, BMI sowie eine aktuelle Östrogentherapie. So wurde bei mittelstarker Osteopenie für die 70-jährigen Frauen ein Knochendichte-Testintervall von etwa fünf Jahren errechnet, während sich für die 85-Jährigen ein Drei-Jahres-Rhythmus ergab.

Die Daten sollen dazu beitragen, medizinisch sinnvolle Screening-Intervalle zur Diagnose von Knochenveränderungen festzulegen. Mit einem angemessenen Zeitabstand zwischen den Knochendichtemessungen könnte eine Therapie starten, bevor erste Frakturen auftreten.

Die DVO-Leitlinie 2009 empfiehlt dazu bislang: "Da über die Messfehlergrenze hinausgehende Abnahmen der Knochendichte vor Ablauf von zwei Jahren selten sind, werden Kontrolluntersuchungen in der Regel nicht vor Ablauf eines Zeitraums von zwei bis fünf Jahren empfohlen und sollten an das Risikoprofil adaptiert werden. Die jeweiligen Intervalle sind in Abhängigkeit von neu aufgetretenen Risikofaktoren und der Ausgangsknochendichte festzulegen. Bei einer hochdosierten Glukokortikoidtherapie können vor allem zu Beginn der Therapie kürzere Abstände von einem Jahr oder in Einzelfällen sogar sechs Monaten sinnvoll sein."

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