Ärzte Zeitung, 20.01.2012

Opioid verzögert den Samenerguss

Mit einer vorzeitigen Ejakulation bereiten Männer weder sich selbst noch der Partnerin viel Freude. Opioide können den Samenerguss deutlich hinauszögern und eignen sich mitunter als Alternative zu SSRI.

Von Thomas Müller

Opioid verzögert den Samenerguss

Ein Opioid erhöht die sexuelle Zufriedenheit bei Ejaculatio praecox.

© Imagery Majestic / fotolia.com

KONYA. Nach Schätzungen kommt etwa jeder fünfte Mann zu früh beim Geschlechtsverkehr: Die Zeit von der Penetration bis zur Ejakulation liegt dabei regelmäßig unter zwei Minuten.

Bis vor Kurzem gab es dagegen keine spezifische medikamentöse Behandlung, inzwischen ist mit dem kurz wirksamen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Dapoxetin ein Medikament zur Bedarfstherapie bei Ejaculatio praecox erhältlich, das den Samenerguss über eine Hemmung der Serotonin-Wiederaufnahme hinauszögert.

Ausdehnung auf dreieinhalb Minuten

In Studien konnte mit dem Mittel die Latenzzeit zwischen Penetration und Ejakulation von im Schnitt einer Minute auf dreieinhalb Minuten ausgedehnt werden.

Türkischen Urologen um Dr. Mehmet Kaynar aus Konya ist nun ein ähnlicher Erfolg mit dem Opioid Tramadol gelungen. An ihrer Studie beteiligten sich 60 Männer, die seit ihrer Geschlechtsreife an einer Ejaculatio praecox litten (Latenzzeit unter einer Minute).

Die Studienteilnehmer nahmen zwei Stunden vor dem Geschlechtsverkehr ein Präparat ein, das bei der Hälfte der Teilnehmer 25 mg Tramadol enthielt, bei den übrigen keinen Wirkstoff.

Mit einer Stoppuhr bestimmten sie ihre Latenzzeit, zudem wurden die Männer nach acht Wochen befragt, wie gut sie ihren Samenerguss kontrollieren konnten und wie zufrieden sie mit ihrem Sexualleben waren (Urology 2012; 79:145-149).

Medikament war Placebo überlegen

Die Ergebnisse: Mit Placebo hatte sich die Latenzzeit von etwa einer halben Minute auf knapp eine Minute fast verdoppelt, mit Tramadol vervierfachte sie sich dagegen von im Schnitt 39 Sekunden auf 155 Sekunden, also knapp zweieinhalb Minuten. Dabei verbesserte sich die Ejakulationskontrolle auf einer Vier-Punkte-Skala von zu Beginn 0,9 auf 1,5 mit Placebo und von 0,8 auf 2,8 mit Tramadol.

Die sexuelle Zufriedenheit, ebenfalls mit einer Vier-Punkte-Skala bestimmt, nahm mit Placebo von 0,8 Punkten auf 1,3 Punkte zu, mit dem Opioid von knapp einem Punkt auf 2,8 Punkte. In allen drei untersuchten Bereichen war das Medikament einer Placebotherapie signifikant überlegen.

Die Studienautoren sehen in Tramadol eine wirksame Alternative zu SSRI, vor allem dann, wenn SSRI nicht ausreichend wirken oder nicht gut vertragen werden. Wie das Opioid den Samenerguss verzögert, ist allerdings noch nicht gänzlich geklärt.

Zum einen wird eine direkte Wirkweise durch die Stimulation des μ-Opioidrezeptors vermutet, zum anderen blockiert die Substanz die Noradrenalin- und Serotoninwiederaufnahme.

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