Ärzte Zeitung online, 03.08.2017

Studie

Steroide fördern schwere Infektionen bei Nierenkranken

Erhalten Patienten mit einer IgA-Nephropathie Steroide, schadet dies am Ende mehr, als es nutzt. Denn die Gefahr für schwere Infektionen nimmt deutlich zu, warnen Nephrologen aufgrund aktueller Daten.

Steroide fördern schwere Infektionen bei Nierenkranken

Häufiger Grund für eine Nierentransplantation bei Erwachsenen vor dem 50. Lebensjahr: die IgA-Nephropathie.

© horizont21 / Fotolia

BERLIN. Die IgA-Nephropathie ist bei Erwachsenen vor dem 50. Lebensjahr die häufigste Ursache, die eine Nierentransplantation notwendig macht. Seit über 50 Jahren wird eine entzündungshemmende, immunsuppressive Therapie eingesetzt, u. a. Kortikosteroide, Immunsuppressiva oder Zytostatika, wie die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) erinnert. Eine aktuell im Fachjournal JAMA publizierte Studie zur oralen Steroidtherapie (Methylprednisolon) der IgA-Nephropathie (doi:10.1001/jama.2017.9362) lege nun jedoch ein Umdenken bei diesem Vorgehen nahe.

Wissenschaftler untersuchten in der randomisierten, placebokontrollierten Arbeit den Einsatz einer oralen Steroidtherapie mit Methylprednisolon (Dosis: 0,6-0,8 mg/kg/Tag; Maximaldosis: 48 mg/Tag). 262 Patienten (mittleres Alter 38,6 Jahre, eGFR von 59,4 mL/min/1.73m2; Proteinausscheidung im Urin 2,4 g/Tag) nahmen teil.

Der primäre Endpunkt nach einem Follow-up von im Median 2,1 Jahre umfasste "Erreichen der Dialysepflichtigkeit", "Tod wegen Nierenversagens" oder "40%iger Abfall der Nierenfunktion". Er wurde von 20 Patienten aus der Placebogruppe, aber nur von acht Patienten aus der Verumgruppe erreicht.

Erfolg mit hoher Nebenwirkungsrate erkauft

"Dieser Therapieerfolg hatte allerdings seinen Preis", räumt Professor Dr. Jürgen Floege, Aachen, Ko-Autor der Studie und Past-Präsident der DGfN in einer Pressemitteilung der Gesellschaft ein. "Denn das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen war unter der oralen Therapie mit Methylprednisolon signifikant höher. Es ist also Vorsicht geboten." Unverändert liege der Schwerpunkt der Therapie auf supportiven Maßnahmen, die leider in der TESTING-Studie nicht voll ausgeschöpft worden seien.

Schwerwiegende Nebenwirkungen, darunter vor allem schwere Infektionen, traten den Studiendaten zufolge bei 20 Patienten (14,7 %) in der Methylprednisolon-Gruppe auf, aber nur bei vier Patienten (3,2 %) in der Placebogruppe. Zwei Patienten starben sogar. Die Studie wurde aus Sicherheitsbedenken vorzeitig abgebrochen, noch bevor die geplanten 750 Patienten in die Studie rekrutiert werden konnten, wie die DGfN berichtet. (run)

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