Direkt zum Inhaltsbereich

Studie

Steroide fördern schwere Infektionen bei Nierenkranken

Erhalten Patienten mit einer IgA-Nephropathie Steroide, schadet dies am Ende mehr, als es nutzt. Denn die Gefahr für schwere Infektionen nimmt deutlich zu, warnen Nephrologen aufgrund aktueller Daten.

Veröffentlicht:
Häufiger Grund für eine Nierentransplantation bei Erwachsenen vor dem 50. Lebensjahr: die IgA-Nephropathie.

Häufiger Grund für eine Nierentransplantation bei Erwachsenen vor dem 50. Lebensjahr: die IgA-Nephropathie.

© horizont21 / Fotolia

BERLIN. Die IgA-Nephropathie ist bei Erwachsenen vor dem 50. Lebensjahr die häufigste Ursache, die eine Nierentransplantation notwendig macht. Seit über 50 Jahren wird eine entzündungshemmende, immunsuppressive Therapie eingesetzt, u. a. Kortikosteroide, Immunsuppressiva oder Zytostatika, wie die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) erinnert. Eine aktuell im Fachjournal JAMA publizierte Studie zur oralen Steroidtherapie (Methylprednisolon) der IgA-Nephropathie (doi:10.1001/jama.2017.9362) lege nun jedoch ein Umdenken bei diesem Vorgehen nahe.

Wissenschaftler untersuchten in der randomisierten, placebokontrollierten Arbeit den Einsatz einer oralen Steroidtherapie mit Methylprednisolon (Dosis: 0,6-0,8 mg/kg/Tag; Maximaldosis: 48 mg/Tag). 262 Patienten (mittleres Alter 38,6 Jahre, eGFR von 59,4 mL/min/1.73m2; Proteinausscheidung im Urin 2,4 g/Tag) nahmen teil.

Der primäre Endpunkt nach einem Follow-up von im Median 2,1 Jahre umfasste "Erreichen der Dialysepflichtigkeit", "Tod wegen Nierenversagens" oder "40%iger Abfall der Nierenfunktion". Er wurde von 20 Patienten aus der Placebogruppe, aber nur von acht Patienten aus der Verumgruppe erreicht.

Erfolg mit hoher Nebenwirkungsrate erkauft

"Dieser Therapieerfolg hatte allerdings seinen Preis", räumt Professor Dr. Jürgen Floege, Aachen, Ko-Autor der Studie und Past-Präsident der DGfN in einer Pressemitteilung der Gesellschaft ein. "Denn das Risiko schwerwiegender Nebenwirkungen war unter der oralen Therapie mit Methylprednisolon signifikant höher. Es ist also Vorsicht geboten." Unverändert liege der Schwerpunkt der Therapie auf supportiven Maßnahmen, die leider in der TESTING-Studie nicht voll ausgeschöpft worden seien.

Schwerwiegende Nebenwirkungen, darunter vor allem schwere Infektionen, traten den Studiendaten zufolge bei 20 Patienten (14,7 %) in der Methylprednisolon-Gruppe auf, aber nur bei vier Patienten (3,2 %) in der Placebogruppe. Zwei Patienten starben sogar. Die Studie wurde aus Sicherheitsbedenken vorzeitig abgebrochen, noch bevor die geplanten 750 Patienten in die Studie rekrutiert werden konnten, wie die DGfN berichtet. (run)

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Rauchjahre statt Packungsjahre

Lassen sich die Kriterien fürs Lungenkrebs-Screening vereinfachen?

Lesetipps
Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram

Manche Menschen mit Adipositas haben ein vergleichsweise günstiges kardiovaskuläres Risikoprofil: offenbar vor allem diejenigen mit weniger zentraler Fettansammlung. (Symbolbild mit Fotomodell)

© sam richter / stock.adobe.com

Mega-Analyse

BMI ade? Beim kardiovaskulären Risiko kommt es auf das Bauchfett an