Ärzte Zeitung online, 18.04.2017

Candida albicans

Pilzgift ist "Leibniz-Wirkstoff des Jahres 2017"

JENA. Der Leibniz-Forschungsverbund "Wirkstoffe und Biotechnologie" hat Dr. Duncan Wilson, Dr. Selene Mogavero und Professor Bernhard Hube vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI) sowie Professor Thomas Gutsmann vom Forschungszentrum Borstel - Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften für ihre Forschung auf dem Gebiet von bioaktiven Substanzen ausgezeichnet.

In internationaler Zusammenarbeit identifizierten die Wissenschaftler ein Gift von Candida albicans, teilt das HKI mit. Das Toxin durchlöchert die Membran der Wirtszelle und führt so zu ihrer Lyse. Der "Leibniz-Wirkstoff des Jahres 2017" Candidalysin – so der Name des Peptids – trägt somit entscheidend zur krankmachenden Wirkung des Hefepilzes bei (Nature 2016; 532: 64-68).

Der Grund, warum die Mikrobiologen Candidalysin erst nach Jahrzehnten intensiver Suche entdeckten, ist ein Trick des Pilzerregers: Candida albicans bildet zunächst ein größeres Molekül, ein Polyprotein. Erst ein Enzym schneidet es in mehrere Teile, unter denen dann das krankmachende Gift ist, heißt es in der HKI-Mitteilung. Aus einer ungefährlichen Vorstufe wird auf diese Weise erst dann eine schädliche Substanz, wenn der Erreger sie benötigt.

Im Kampf gegen gefährliche Pilzinfektionen ist die Entdeckung des Toxins nur der Anfang: Forscherteams prüfen nun die Auseinandersetzung zwischen Gift und Immunsystem auf molekularer Ebene und welche Aufgaben andere genetische Bestandteile des Pilzes bei einer Infektion übernehmen, so das HKI.

Interessant ist darüber hinaus, ob Candidalysin auch auf Bakterien wirkt oder es einen Austausch zwischen dem Gift und Bakterien in gemeinsamen Lebensräumen wie dem menschlichen Darm gibt.

Der Leibniz-Forschungsverbund "Wirkstoffe und Biotechnologie", gefördert durch die Leibniz-Gemeinschaft, verleiht jährlich anlässlich der Leibniz-Wirkstofftage einen Preis für wichtige Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet von bioaktiven Substanzen. Die Preisträger erhalten eine Medaille, ein Zertifikat und 2000 Euro Preisgeld. (eb)

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