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Radiologische Befundung zur Unzeit: Potenzial bei Kliniken

Manchen Kliniken gehen die Radiologen aus, eine Fachgesellschaft spricht gar von 500 betroffenen Kliniken bundesweit. Doch die Engpässe könnten aufgefangen werden - durch outgesourcte Teleradiologen.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:
CT des Abdomens: Teleradiologen könnten Engpässe in Kliniken kompensieren.

CT des Abdomens: Teleradiologen könnten Engpässe in Kliniken kompensieren.

© Asparuh Stoyanov / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Mittels eines teleradiologischen Bild- und Personalmanagements können Kliniken nicht nur rund 40.000 Euro pro Jahr einsparen. Auch die Belastung des Personals im Nachtdienst ließe sich reduzieren. Dieses Fazit zieht der Radiologe Dr. Thorsten Möller von der Deutschen Gesellschaft für Teleradiologie.

Über 100 deutsche Kliniken nutzen nach Auskunft von Möller bereits die CT-Fernbefundung im Bereitschaftsdienst an Abenden, Wochenenden sowie Feiertagen - das entspreche einem Fünftel der 500 deutschen Krankenhäuser, die potenziell teleradiologisch versorgt werden könnten, weil sie zu wenig Radiologen haben.

Konkret wird die Befundung von einem Tele-Radiologen übernommen. Das schaffe Arbeitszufriedenheit, und der Patient erhalte eine zeitnahe, qualitativ hochwertige Diagnostik, so Möller.

In der Chirurgie brenne es bereits flächendeckend. Bei den Radiologen rumore es heftig. Freizeit, Nachtruhe, Familienleben, Freundeskreis, Lebensqualität konkurrieren zunehmend mit der ärztlichen Arbeitswelt.

Leistungseinbuße, emotionale Erschöpfung und Depersonalisierung seien die Folgen einer langfristigen ungebremsten Kräfteausbeutung, wie Möller betont. Auch eher technisch ausgerichtete Fachbereiche wie die Radiologie seien mittlerweile betroffen.

"Auf Partnerschaften von Ärzten wirkt sich der Stress besonders kritisch aus, da die ärztliche Tätigkeit viele lebens- und beziehungsfeindliche Strukturen aufweist. Die sogenannte Inhumanität humanitärer Berufe ist charakterisiert durch berufsbedingten Zeitmangel und anhaltenden Arbeitsstress mit einer Vernachlässigung von Familie und Leben", verweist Svenja Lippert vom Fachbereich Medizin des Universitätsklinikums Gießen/Marburg in ihrer Dissertation auf die prekäre Situation der ärztlichen Allzeit-Verfügbarkeit mit wechselnden Wochenend- und Bereitschaftsdiensten.

Hier können outgesourcte Teleradiologen die angestellten Klinikradiologen und niedergelassene Röntgenärzte an Krankenhäusern entlasten.

Möller rührt auch mit Verweis auf die Europäische Union (EU) die Werbetrommel für die Teleradiologie. Diese sollte umfassender in die Gesundheitssysteme der EU-Mitgliedstaaten integriert werden, fordere die EU-Kommission.

Deshalb solle der Einsatz von Diensten der Telemedizin und der Informations- und Kommunikationstechnologien innerhalb Europas erheblich forciert werden.

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