Ärzte Zeitung online, 07.07.2017
 

Todkranker Nobelpreisträger

Zustand von Liu Xiaobo verschlechtert sich erheblich

Dem chinesischen Nobelpreisträger Liu Xiaobo geht es immer schlechter. Dennoch will China den 61-Jährigen nicht ausreisen lassen. Menschenrechtler werfen Peking Skrupellosigkeit vor.

PEKING. Der Gesundheitszustand des in China unter Arrest stehenden Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo hat sich nach Angaben seiner Ärzte und Freunde erheblich verschlechtert.

Seine Leberfunktion verringere sich, zudem wurde ein Blutgerinnsel im linken Bein entdeckt und behandelt, teilte das Krankenhaus, in dem der Bürgerrechtler unter Bewachung behandelt wird, am Donnerstag mit.

Zudem veröffentlichte die Klinik auf ihrer Website eine handschriftliche Mitteilung, die von Liu Xiaobos Schwager stammen soll. Weil sein Zustand "sehr ernst" sei, hätten die Ärzte die medikamentöse Behandlung angepasst, heißt es darin. Gerüchte, wonach Medikamente dem Patienten absichtlich vorenthalten würden, um ihm zu schaden, seien falsch.

Seine Familie wurde informiert, rund um die Uhr bereit zu stehen, schrieb Wu Yangwei, ein Freund von Liu Xiaobo, auf Twitter: "Es schmerzt". Andere Freunde sagten, dass sie sich darauf vorbereiteten, Liu Xiaobo bald zu verlieren.

Der 61-Jährige leidet unter Leberkrebs im Endstadium und wurde aus dem Gefängnis ins Krankenhaus der nordostchinesischen Stadt Shenyang verlegt. Ihm war "Bewährung aus medizinischen Gründen" gewährt worden. China lehnt jedoch eine Ausreise des Schwerkranken mit seiner Frau für eine Klinikbehandlung im Ausland ab.

Die Nachricht sei "??bedrückend"?, sagte Maya Wang von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Wie Liu Xiaobo behandelt werde, zeige die Skrupellosigkeit der chinesischen Regierung. "?Sie lassen ihm keinen Tag Frieden."? Die Führer der Welt, die am G20-Gipfel in Hamburg teilnehmen, sollten den chinesischen Präsidenten Xi Jinping dazu drängen, Liu Xiaobo und seine Frau ausreisen zu lassen.

China hatte am Mittwoch mitgeteilt, führende Leberkrebs-Experten aus Deutschland und den USA eingeladen zu haben, um sich dem Ärzte-Team, das Liu Xiaobo betreut, anzuschließen. Liu Xiaobo hatte 2010 für seinen Einsatz für Demokratie und Menschenrechte den Nobelpreis erhalten, was Chinas Regierung empörte. (dpa)

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