Ärzte Zeitung, 13.02.2004

Terror am Kopierer, Schikanen im Büro

Berlinale / Kinofilm über Mobbing am Arbeitsplatz

Sekretärin Anna (Nicoletta Braschi) leidet in "Mi Piace Lavorare" unter Mobbing. Foto: Berlinale

Die Sekretärin Anna (Nicoletta Braschi) sitzt in der Mittagspause allein am Kantinentisch, niemand will mit ihr einen Kaffee trinken und ihr Schreibtisch ist, angeblich aus Versehen, an eine Kollegin vergeben worden. Auch ihr Chef fällt ihr in den Rücken: Statt Geschäftsbriefe zu schreiben, läßt er sie stundenlang am Kopierer stehen. "Mi Piace Lavorare (Mobbing)" heißt der Film der italienischen Regisseurin Francesca Comencini. Er läuft derzeit auf der Berlinale in der Reihe Panorama.

Die vielen Demütigungen machen Anna ganz krank: Sie schläft schlecht, wird depressiv, hat einen Nervenzusammenbruch. Sie hört sogar auf, sich um ihre Tochter zu kümmern. Der Film beschreibt sehr eindringlich die Situation aus der Perspektive eines Mobbing-Opfers.

Die Geschichte von Anna mag fiktiv sein, dadurch verliert sie jedoch nichts von ihrer Brisanz. In Deutschland werden nach dem "Mobbing-Report" der Sozialforschungsstelle Dortmund schätzungsweise 800 000 Beschäftigte systematisch schikaniert und drangsaliert. Gerade auch die steigende Arbeitslosigkeit verschärft die Konkurrenz - und im Kampf um Arbeitsplätze sind unfeine Methoden oft kein Tabu mehr. Der Spielfilm greift die Probleme, die sich daraus ergeben, sehr realistisch auf.

In den vergangenen Jahren sind einige Filme entstanden, die das Thema Mobbing am Arbeitsplatz thematisieren - und zu Diskussionen anregen. 1998 machte etwa in Frankreich der TV-Film "Monsieur Mobbing" des Regisseurs Fabrice Cazeneuve Furore.

In dem Sozialdrama geht es um Rationalisierungen in einer Firma, die medizinische Geräte herstellt. Um die Abfindungen zu sparen, setzen die Konzernbosse auf Mobbing: Philippe Duclos spielt den Sadisten Sébastien Jalabier, der seine Kollegen terrorisiert, bis sie kündigen.

In Deutschland regte vor allem der mit vielen Preisen ausgezeichnete Fernsehfilm "Die Hoffnung stirbt zuletzt" Ende 2002 die Diskussionen an. Drehbuchautor Fred Breinersdorfer hat dazu vier Mobbingfälle unter Polizisten recherchiert.

Die Handlung: Gleich zu Beginn ihres neuen Jobs als Polizeimeisterin in Hamburg muß sich Cornelia (Anneke Kim Sarnau) gegen ihren Chef wehren. Er wird zudringlich, sie weist ihn zurück, er denkt sich eine Schikanen nach der anderen aus. Es gibt kein Happy End. Irgendwann hält die Polizistin die Erniedrigungen nicht mehr aus: Sie bringt sich um. (ine)

Aufführung auf den Berliner Filmfestspielen: "Mi Piace Lavorare (Mobbing) ist am heutigen Freitag, 13. Februar, um 14.30 Uhr im International zu sehen.

Topics
Schlagworte
Panorama (33132)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Dieses Training hält jung

Forscher haben in einer Studie Trainingsformen identifiziert, die die Zellalterung verlangsamen: Wer sein Leben verlängern will, sollte wohl eher aufs Laufband als in die Muckibude. mehr »

Zoster-Impfempfehlung für Senioren und chronisch Kranke!

Gürtelrose ist weit verbreitet und die Therapiemöglichkeiten gegen die neuropathischen Schmerzen sind begrenzt. Die STIKO rät daher nun zum Impfschutz in Risikogruppen. mehr »

Widerspruchsregelung spaltet Ethikrat

Auch im Deutschen Ethikrat wird über die Organspende kontrovers diskutiert: Manche Mitglieder sehen eine Widerspruchslösung pragmatisch und als zumutbar für die Bürger, andere Probleme mit der Verfassung. mehr »