Ärzte Zeitung, 05.07.2004

Vom barocken Prunksarg bis zur Kiste aus grobem Holz

Ausstellung "Totenruhe - Totentruhe" in Berlin

BERLIN (ddp-bln). Der Tag der Beerdigung von Elisabeth Magdalena liegt heute im Dunkeln. Das Mitglied der Familie von Münchhausen, die zum niedersächsischen Uradel zählte, wurde irgendwann im 18. Jahrhundert in einer Gruft in Moringen beigesetzt. Für die Nachwelt geblieben ist ein Sargfragment der Toten, das bemerkenswerte Applikationen aufweist.

Auf dem schwarz gebeiztem Eichenholz ist ein von sechs Schlangen umwundener Totenkopf gemalt. Geschnitzte Knochenmänner verzieren die Längsseiten des Fragments. "Dieses Stück ist eine echte Rarität", sagte der Direktor des Kasseler Museums für Sepulkralkultur, Reiner Sörries, in Berlin. Das Haus sammelt als einziges Museum in Deutschland und "strenggenommen" in Europa Relikte der Trauerkultur.

Der filigran verzierte Sarg gehört zur Ausstellung "Totenruhe - Totentruhe - Särge aus vier Jahrhunderten", die seit gestern an zwei Standorten in der Hauptstadt zu sehen ist: Im Berliner Dom wird bis 19. September der historische Teil der Schau präsentiert. Das Kulturkaufhaus Dussmann in der Friedrichstraße zeigt bis Ende Juli zeitgenössische Särge aus dem Okzident sowie anderen Kulturen. Die Exposition, die danach in weitere Städte Deutschlands wandert, ist ein gemeinsames Projekt eines Berliner Bestattungsunternehmens und des Kasseler Museums.

Särge aus vier Jahrhunderten bilden das Spektrum der zweiteiligen Ausstellung. Die Exponate reichen vom barocken fürstlichen Prunksarg bis zu einem Designerobjekt von Luigi Colani. Außerdem werden Grafiken, Gemälde und künstlerische Entwürfe präsentiert.

Außer aufwendig gearbeiteten und mit Bildsymbolen sowie biblischen Inschriften versehenen Särgen für den Adel illustriert die Schau auch, wie das einfache Volk beerdigt wurde. So veranschaulicht das Modell eines Konduktsarges, wie arme Leute bis ins 19. Jahrhundert bestattet wurde. Eine Kiste aus grobem Holz diente lediglich dem Transport des Leichnams, der durch das Öffnen einer Klappe am Boden oder den Seiten der Kiste ins Grab rutschte.

Der durch die beiden Ausstellungsorte vermittelte Kontrast unterschiedlicher Sarggestaltungen solle beim Besucher Gedanken freisetzen zu aktuellen Fragen der Bestattungskultur, erläuterte Sörries.

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