Ärzte Zeitung, 21.01.2005

100 Patienten pro Tag in deutscher Notambulanz

Zwei Hamburger Unfallchirurgen helfen in Sri Lanka / "Menschen im Krankenhaus werden abenteuerlich versorgt"

COLOMBO (dpa). Noch immer sind deutsche Ärzte aktiv in den Ländern, die von der Flut am härtesten getroffen worden sind. Zum Beispiel arbeiten Kollegen im Feldhospital der Bundeswehr in Banda Aceh in Indonesien. Und zwei Hamburger Chirurgen sind auf ihrem ersten Auslandseinsatz in Sri Lanka.

Wo es Hilfe gibt, bilden sich Schlangen: Flüchtlinge eines Lagers bei Tirrukkovil auf Sri Lanka warten auf die Ausgabe von Trinkwasser. Fotos: dpa

In dem Auffanglager im Osten Sri Lankas stehen die Menschen immer noch von morgens bis abends Schlange vor der Notambulanz. Die beiden Hamburger versorgen hier mehr als 100 Patienten, und das jeden Tag. Nach ihrer Sprechstunde fahren die Unfallchirurgen Dr. Christian Queitsch und Dr. Benjamin Kinast ins Krankenhaus in Ampara, um zu operieren. "Dort liegen Menschen seit der Katastrophe mit schief stehenden Knochen herum", sagt Queitsch. Auch dreieinhalb Wochen nach der Flut herrscht in Teilen Sri Lankas bitteres Leid.

Der deutsche Arzt V. Mengel mit einer Patientin im Feldhospital in Aceh.

Kurz nach der Katastrophe trugen sich die beiden Ärzte des Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhauses Hamburg in die Liste der Wuppertaler Hilfsorganisation International Emergency Help ein - als freiwillige Helfer, sollten sie im Krisengebiet gebraucht werden. Der Ruf folgte prompt, eine Ärztin im Osten Sri Lankas hatte Alarm geschlagen. In das schwer zugängliche Tamilengebiet gelangte auch Tage nach der Katastrophe immer noch kaum Hilfe.

"Meine Frau und mein vier Jahre alter Sohn hatten große Angst", sagt der 41jährige Queitsch. "Aber sie haben das trotzdem eindeutig unterstützt." Als er und sein 32 Jahre alter Kollege an der Ostküste ankamen, "dachten wir, dort gibt es ganz viele Schwerverletzte". Doch sie fanden kaum noch welche vor. Die meisten davon seien in den ersten drei Tagen nach der Katastrophe gestorben, sagt Queitsch. Selbst mit einfachen Knochenbrüchen hätten die Verletzten kaum Überlebenschancen gehabt. "Es gab schlicht keine Versorgung."

Das Krankenhaus in der Stadt Ampara, das größte der Region, kämpft bis heute mit den Folgen der Katastrophe. "Das geht einem nahe", sagt Queitsch. "Im Krankenhaus liegen bis zu 30 Männer in einem Saal." Manchmal müßten sich drei Patienten zwei schmale Pritschen teilen. "Die meisten werden abenteuerlich versorgt." Im Krankenhaus fehle es an allen Ecken und Enden, nicht einmal eine mobile Röntgenanlage gebe es. "Ohne eine solche Anlage kann man eigentlich gar keine Unfallchirurgie machen", sagt der Arzt. Aber er weiß auch: "Für vernünftige Unfallchirurgie braucht man viel Geld."

Das Elend, das die beiden Ärzte gesehen haben, werden sie nie wieder vergessen. Wenn sie Ende Januar zurück nach Hamburg kommen, soll ihr Einsatz für die Menschen in Sri Lanka nicht zu Ende sein. Ein Waisenhaus in der Region wollen sie unterstützen. Und sie wollen sich um eine bessere Ausstattung des Krankenhauses in Ampara kümmern. "Wir werden eine Zusammenarbeit mit unserem Krankenhaus in Hamburg aufbauen", sagt Queitsch.

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