Clown-Doktoren - mehr als Unterhaltung oder Kinderkram

Veröffentlicht:

Von Stephanie Reuter

Dienstagnachmittags steht die Visite im Stuttgarter Olgahospital unter einem ganz besonderen Stern: Statt des Stationsarztes betritt der Klinik-Clown PaPüff - ausgestattet mit einem etwas schräg klingenden Akkordeon und allerlei Zauber- und Jonglage-Utensilien - die Krankenzimmerbühne.

Nasenspitze sowie Wangen und Mund der Clownsfrau erstrahlen in leuchtendem Rot, dazu trägt sie einen schrägen Hut und ein kunterbuntes Kostüm - die kleinen Patienten sind sofort begeistert. "Du siehst so lustig aus", prustet die achtjährige Drenusha kichernd los.

Seit mittlerweile sechs Jahren kommen jeden Dienstag und Donnerstag Clown-Doktoren ins Olgäle, wie die Stuttgarter ihre Kinderklinik liebevoll nennen. Die Spaßmacher unterstützen jedoch nicht nur den Heilungsprozeß der kleinen Patienten: "Manchmal brauchen mich die Eltern viel dringender als die Kinder. Durch die Vorführung können sie den oftmals anstrengenden Klinikalltag für einen Moment vergessen und einfach mal wieder gemeinsam mit ihrem Kind lachen", sagt Vera Badt alias PaPüff.

Die Clowns öffnen allerdings nicht alle Zimmertüren. Welche Patienten mit der "Pippi-Langstrumpf"-Hymne begrüßt werden und in den Genuß von Clown-Knödeln aus Sauerkraut und Erdbeeren kommen, verrät ein kleines schlaues Buch. In dieses schreiben die Stations-Erzieherinnen Namen, Alter und Besonderheiten der Patienten, für die eine Aufheiterung besonders wichtig erscheint.

Keine Vorführung gleicht der nächsten. PaPüff weiß, daß die kleinen Patienten besonders sensibel sind und die Show individuell an die Bedürfnisse angepaßt werden muß. "Unser Besuch ist zwar eine willkommene Abwechslung und Überraschung, darf die Kleinen aber nicht überrumpeln. Im Krankenhaus muß ich viel mehr lauschen als bei einer normalen Vorstellung." Ist die Show allerdings erst einmal gestartet, jagt ein Gag den nächsten.

"Ich glaube, deine Mutti hat Nasenfieber", sagt die Clown-Doktorin zu Jasmin. Das zierliche Mädchen bekommt einen Lachanfall und kann sich kaum noch auf dem Bett halten. Klar, daß PaPüff die Anti-Nasenfieber-Medizin sofort herbei zaubert: ein Wasserzerstäuber, der Mutti das Heilmittel ins Gesicht und in die Ohren sprüht.

Im nächsten Zimmer ist Zaubern angesagt. Der zehnjährige Manuel ist anfangs skeptisch, und sein sechzehnjähriger Bettnachbar tut den Quatsch als Kinderkram ab. Doch dann beginnt die Klinik-Clownin mit einem Seiltrick, und sogleich werden die Augen der Jungs immer größer.

Finanziert wird die Arbeit der drei psychologisch geschulten Clown-Doktoren von der Olgäle-Stiftung für das kranke Kind, die 1997 unter der Schirmherrschaft von Carl Herzog von Württemberg gegründet wurde.

Daß Lachen wahre Wunder bewirkt, ist unbestritten. Mehr als 300 Muskeln soll es ansprechen, Schmerzen lindern, das Immunsystem stärken. Zudem werden bei einem spontanen Lachanfall Endorphine ausgeschüttet. So ist es für Tatja Valentin, Pflegedienstleiterin im Olgahospital, auch nicht verwunderlich, daß die Clown-Doktoren nun auch die Altenheime erobern: "Warum soll die Lachtherapie, die wir unseren kleinen Patienten verordnen, nicht auch für 80- oder 90jährige gesund sein?"

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Genomische Prägung

Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstädter-Preis an Epigenetik-Forscher verliehen

Das könnte Sie auch interessieren
Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Rett-Syndrom: früh diagnostizieren, Betroffene bestmöglich fördern und Familien entlasten

© Olia / Generated with AI / stock.adobe.com

Neurologische Entwicklungsstörung

Rett-Syndrom: früh diagnostizieren, Betroffene bestmöglich fördern und Familien entlasten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Halitosis

Was hinter Mundgeruch stecken kann

Lesetipps
Beratung Ärztin und Patientin

© Krakenimages.com / stock.adobe.com

Praktische Tipps

Beratungsfall Patientenverfügung – worauf es ankommt