Ärzte Zeitung, 17.02.2005

Irakische Ärzte begehrtes Ziel von Entführern

Gynäkologin aus Mossul berichtet über schwierige Arbeitsbedingungen / Ausstattung der Kliniken ist katastrophal

NEU-ISENBURG (Smi). Viele Ärzte im Irak müssen nicht nur unter katastrophalen Bedingungen ihren Dienst am Patienten versehen - sie fürchten auch um ihr eigenes Leben, da sie ein begehrtes Ziel für Entführer sind, wie eine Gynäkologin aus dem Irak berichtet.

Dr. Ghada Al Daheen, die in Mossul im Norden Iraks arbeitet, hatte wie ihre Kollegen die Hoffnung, daß nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein alles besser werde. Aber das Gegenteil sei der Fall, berichtet sie in einem Interview mit dem britischen Nachrichtensender BBC.

"Nach dem Krieg dachten wir, nun werde die Sonne scheinen, doch alles wurde nur noch schlimmer", sagte Al Daheen während eines Besuchs in England. Die größte Gefahr, in der Ärzte in ihrer Region schwebten, sei das Kidnapping. "Ich bin ein Ziel der Entführer, weil ich Ärztin bin", berichtete die Gynäkologin. "Es trifft vor allem Leute mit Intelligenz und Geld."

Für sie und ihre Kollegen sei sogar der Weg zur Arbeit ein Risiko, weshalb sich viele Ärzte fürchteten. Nach wie vor sei auch die Ausstattung der irakischen Krankenhäuser katastrophal, so Ghada Al Daheen. "Die Instrumente sind untauglich, wir brauchen Ultraschall und fetale Überwachungsstationen, alles ist sehr begrenzt."

Vielen Patienten könnte aufgrund des Mangels nicht oder nur unzureichend geholfen werden. Al Daheen: "Ein Mann starb nach einem Cobra-Biß, weil das Gegengift nicht verfügbar war."

Die schlechte Ausstattung betreffe auch die Mütter- und Baby-Stationen der Krankenhäuser, erzählte die Gynäkologin. In Mosul kämen täglich etwa 50 Babys auf die Welt, alle Stationen seien überbelegt. Aufgrund der fehlenden Apparaturen könnten Neugeborene im Notfall nur unzureichend versorgt werden. Al Daheen: "Wenn es uns gelingt, ein Baby wiederzubeleben, können wir es nicht am Leben halten."

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