Ärzte Zeitung, 29.05.2006

Amoklauf: HIV-Gefahr durch blutiges Messer

Opfer des Messerstechers in Berlin bekommen prophylaktisch antiretrovirale Therapie

BERLIN (ddp.vwd). Nach dem Amoklauf eines Schülers bei der Eröffnung des neuen Berliner Hauptbahnhofs werden an der Charité die ersten Opfer und Ersthelfer prophylaktisch mit antiretroviralen Medikamenten behandelt.

Denn eines der ersten Opfer des Messerstechers hat angegeben, HIV-positiv zu sein. So besteht die Möglichkeit, daß sich andere Opfer an dem blutigen Messer infiziert haben.

Am Samstagabend hatte der mutmaßliche Amokläufer Haftbefehl wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung erhalten, der 16jährige leugnet die Tat aber. Bei der Bluttat in der Nacht zum Samstag waren 28 Menschen zum Teil schwer verletzt worden. 15 Personen wurden gestern noch stationär behandelt.

Alle an den Ereignissen Beteiligten wurden aufgerufen, sich umgehend in der Charité oder im Virchow-Klinikum zu melden, damit sie auf HIV getestet werden können. Bis gestern mittag hatten dies in der Charité schon 56 Betroffene getan. Es gebe keine Erfahrungen zur HIV-Übertragung durch Messerstiche, erläuterte der Direktor der Medizinischen Kliniken für Infektiologie der Charité, Professor Norbert Suttorp.

Erfahrungen bei Nadelstichverletzungen mit infiziertem Blut wiesen darauf hin, daß bei 3 von 1000 Personen das HI-Virus übertragen werden könne. Um wirksam zu sein, müsse eine prophylaktische antiretrovirale Therapie innerhalb von 24 Stunden nach einer Infektion beginnen, so die Ärzte.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Zwei Gläser Wein? Das lass lieber sein!

Wer täglich mehr als zwei Gläser Wein leert, hat ein erhöhtes Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Ob ein Komplettverzicht ratsam ist, bereitet Forschern noch Kopfzerbrechen. mehr »

Warum der Brexit körperlich krank macht

Übelkeit und Kurzatmig: Blogger Arndt Striegler hat mit seiner Hausärztin über seinen Gesundheitszustand und den Austritt aus der EU geredet – und einen Zusammenhang am eigenen Leib festgestellt. mehr »

Nach der Wahl muss Vernetzung auf die Agenda!

Gesundheitsminister Gröhe gibt einen Ausblick auf die nächste Legislaturperiode: Die stärkere Vernetzung der Akteure müsse dann höchste Priorität haben. Der Innovationsfonds soll zur Dauereinrichtung werden. mehr »