Ärzte Zeitung, 24.10.2006

Im Irak gibt es kaum ausgebildete Notärzte

Drei irakische Ärzte berichten über Situation im Land

NEU-ISENBURG (ug). Im Irak eskaliert die Gewalt. Allein im Mai und im Juni seien über 5700 Menschen bei Terrorattacken auf Zivilisten verletzt worden, so irakische Behörden und die UNO. Doch vielen Verletzten kann medizinisch nicht geholfen werden, da es kaum ausgebildete Notfallmediziner im Land gibt.

Im Krankenhaus in Bakuba wird ein verletzter irakischer Soldat behandelt. Foto: dpa

Im Irak gebe es zwar 180 Krankenhäuser, doch nur "eine Handvoll von ihnen haben eine notfallmedizinische Abteilung", schreiben die irakischen Ärzte Bassim Irheim Mohammed Al Sheibani, Professor Najah R. Hadi und Tariq Hasoon in einem Bericht über die medizinische Situation im Irak (BMJ 333, 2006, 847).

Und die Abteilungen, die es überhaupt gebe, seien mit Ärzten besetzt, die keine Ausbildung in Notfallmedizin hätten. Deshalb könne vielen Verletzten nicht adäquat oder gar nicht geholfen werden. Mehr als die Hälfte der Verletzten könnten aber gerettet werden, wenn sie von ausgebildeten Notärzten behandelt würden. Seminarangebote, etwa in der Türkei, habe niemand wahrnehmen können, da allein die Reisekosten zwei Jahresgehältern der irakischen Ärzte entsprochen hätten.

Dazu kommt der Mangel an medizinischen Geräten und Arzneien im Land. Röntgen- und Ultraschallgeräte sowie Laborausrüstungen seien unerreichbarer Luxus für viele Notfallstationen, so die irakischen Ärzte. Die Rettungsfahrzeuge, die die Verletzten in die Kliniken bringen, sind nur mit Fahrern ausgestattet, die keine Sanitätsausbildung haben.

Damit noch nicht genug: Da Ärzte als Mitglieder der Elite gelten, seien sie fast täglich Ziel von Terrorattacken, so Al Sheibani. Viele seien getötet worden, andere hätten das Land verlassen.

"Unsere Erfahrung lehrt, daß schlechte Notfallmedizin schlimmere Folgen hat als die Katastrophe selbst. Doch trotz der täglichen Gewalt, die den Irak erschüttert, tut die internationale medizinische Gemeinschaft wenig mehr, als besorgt zuzuschauen", ist das bittere Fazit der drei irakischen Ärzte.

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