Ärzte Zeitung, 29.09.2010

Lautes Röhren, brummen oder doch knören?

Brunftrufe im Kurhaus: Bei der Hirschruf-Meisterschaft im Harz imitiert der Mensch den Hirsch. Auch ein Chirurg nahm an dem lauten Wettbewerb teil.

Von Heidi Niemann

Lautes Röhren, brummen oder doch knören?

Nur die Kraft der Stimme zählt: Ohne Hilfsmittel tritt Chirurg Georg Witkowski aus Recklinghausen bei den Hirschrufmeisterschaften an.

© Rink / pid

ST. ANDREASBERG. Wer in diesen Tagen abends durch die Harzer Wälder streift, hat gute Chancen, einen röhrenden Hirsch zu hören. Die Brunft ist indes nicht nur ein internes Testosteron gesteuertes Kräftemessen der Rothirsche. Sie ist auch eine besondere Touristen-Attraktion. Der Oberharzer Kurort St. Andreasberg veranstaltet dazu spezielle Hirschbrunft-Erlebnistage mit geführten Wanderungen. Der Höhepunkt dieser Veranstaltungsreihe findet allerdings nicht in den Wäldern, sondern im Saal statt: Bei den Harzer Hirschruf-Meisterschaften röhren (zumeist ausschließlich) männliche Vertreter der Gattung Mensch um die Wette. In diesem Jahr war auch ein Arzt mit von der Partie.

"Ich bin immer wieder gerne im Harz", erzählt der Chirurg Dr. Georg Witkowski, der in Recklinghausen eine eigene Praxis betreibt und bereits zum wiederholten Mal in St. Andreasberg Urlaub macht. Als er sich kurz nach der Ankunft bei der Tourist-Information über die Termine für geführte Wanderungen informieren will, begrüßt er die Mitarbeiter scherzhaft mit einem Hirsch-Ruf. "Da haben sie mir dann gesagt, dass ich unbedingt bei der Hirschruf-Meisterschaft mitmachen sollte."

Witkowski lässt sich überreden und tritt auf der Bühne des Kurhauses von St. Andreasberg gegen fünf weitere Kandidaten an. Die Rufe der Hirsche haben den aus Polen stammenden Arzt schon immer fasziniert. "Das erste Mal habe ich sie vor 35 Jahren gehört, als mich mein Onkel in den Wald mitgenommen hat", sagt der Chirurg. "Wenn Sie das hören, diese Rufe in der Stille und Dunkelheit der Nacht, kriegen Sie eine Gänsehaut." Für ihn sind die Brunftlaute viel mehr als nur lautes Geblök: "Die Nuancen des Hirschrufes sind sehr diffizil, das ist eine sehr gefühlvolle Musik, eine Waldsinfonie." Auf den Wettbewerb habe er sich dann im Wald vorbereitet. "Ich habe im Dunkeln die Hirsche gehört und dann versucht, sie nachzuahmen."

Drei unterschiedliche Brunftlaute müssen die Kandidaten imitieren -den suchenden Hirsch, den Kampfschrei des Herausforderers und den Ruf, den der siegreiche Platzhirsch seinem flüchtenden Rivalen hinterherschickt. Die Töne variieren entsprechend der Hormon- und Gefühlslage des Hirsches vom Röhren bis zum Brummen und Knören.

Über die Ähnlichkeit der Hirschruf-Imitation mit den tierischen Vorbildern urteilt eine hinter Paravants versteckte dreiköpfige Jury.

Anders als die anderen fünf Kandidaten auf der Bühne verzichtet Witkowski auf jedes Instrument: "Der Hirsch hat auch kein Hilfsmittel."

Seine Mitstreiter - die meisten von ihnen sind "alte Hasen", die schon an diversen Wettbewerben teilgenommen haben - sind dagegen teilweise sehr professionell ausgerüstet. Manche haben ein Ochsenhorn dabei, fast alle einen so genannten Faulhaber, ein mehrteiliges Plastikrohr, das wie ein Fernrohr aussieht und sich zusammenschieben lässt. Ein Saalkandidat versucht, die Brunfttöne mit einem Weizenbierglas zu erzeugen. Anders der Arzt aus Recklinghausen: Er stellt sich einfach vorne an den Bühnenrand, formt die Hände vor dem Mund und moduliert die unterschiedlichen Laute.

Am Ende siegen die Platzhirsche: Der Betriebsschlosser und frühere deutsche Hirschruf-Meister Andreas Töpfer aus Hann.Münden landet zum fünften Mal in Folge auf dem ersten Platz, Zweiter wird der St. Andreasberger Bürgermeister Hans-Günter Schärf, der auch schon bei Europameisterschaften herumgebölkt hat. Angesichts dieser Konkurrenz bleibt Wettbewerbsneuling Witkowski nur der sechste Platz.

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