Ärzte Zeitung, 24.11.2010

Das Genfer Gelöbnis als Kunstobjekt

Passt Kunst ins Wartezimmer? Diese Frage hat den Designer Stefan Ternes nach einem Arztbesuch beschäftigt. Er hat reagiert und das Genfer Gelöbnis aus dem Jahr 1948 mit einer Aquarell-Mischtechnik gestaltet.

Von Pete Smith

Das Genfer Gelöbnis als Kunstobjekt

"Bei meiner Aufnahme in den ärztlichen Berufsstand gelobe ich feierlich: mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen." So beginnt das im September 1948 auf der 2. Generalversammlung des Weltärztebundes verabschiedete Genfer Gelöbnis, eine zeitgemäße Version des Hippokratischen Eides.

60 Jahre später legt ein Designer eine zeitgemäße grafische Umsetzung des Genfer Gelöbnisses vor - als Wartezimmerplakat, das die Patienten zum Nachdenken anregen soll.

Stefan Ternes ist Diplom-Designer und lebt in Pfaffenheck, einem kleinen Dorf in der Gemeinde Nörtershausen, wenige Kilometer von Koblenz entfernt. Als Werbegrafiker entwickelt er Firmenlogos, -kalender und -broschüren, verlässt aber auch von Zeit zu Zeit seinen Platz am Computer, um rund um seinen Wohnort Innen- und Außenwände zu schmücken.

So hat er beispielsweise für die Gemeinde Nörtershausen eine Wandillustration entworfen oder gemeinsam mit seinem Bruder die Innenwände eines Koblenzer Einkaufszentrums gestaltet.

Als Designer ist Ternes gewohnt, auf berufstypische Logos, Bilder und Darstellungen zu achten, wie sie etwa im Handwerk üblich sind. Bei seinen früheren Arztbesuchen fiel ihm auf, dass in den Wartezimmern eher selten medizinische Bilder, sondern häufiger Reproduktionen von Monet, Chagall oder Kandinsky hängen, oft lieblos hinter Glas aneinandergereiht.

"Das hat mich gewundert", sagt Ternes im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung", "und angeregt, über spezifische Motive für Mediziner nachzudenken."

Bei seinen Recherchen stieß der 50-Jährige auf die Genfer Deklaration von 1948, die als Genfer Gelöbnis bekannt geworden ist.

Die größte Herausforderung: "Wie kann man diese Flut an Text grafisch so umsetzen, dass sie in einer ansprechenden Form erscheint?" Drei Jahre brauchte Ternes, bis er mit dem Ergebnis zufrieden war. Am Ende entschied er sich für eine Aquarell-Mischtechnik, die dem Text eine buchstäblich bunte Grundlage schafft.

Die ersten Rückmeldungen waren durchweg positiv. Ein Arzt schrieb, dass das Praxisposter nicht nur schön sei, sondern auch die Wartezeit seiner Patienten verkürze. Andere regten an, ob nicht auch weitere medizinische Texte auf diese Weise zu gestalten seien.

Also fing Ternes an, sich mit dem Original zu befassen, dem Eid des Hippokrates, der ersten ausformulierten ärztlichen Ethik. "Das habe ich dann in einer reduzierten Form, einer Collage-Mischtechnik, umgesetzt", erzählt der 50-Jährige, der sich schließlich auch noch des "Morgengebetes eines Arztes" von Moses Maimonides annahm, dessen grafische Gestaltung an ein Kathedralen-Fenster erinnert.

Als Reaktion darauf haben ihn wieder Ärzte ermuntert, neue Poster mit medizinischen Themen zu kreieren, etwa das Genfer Gelöbnis auf Englisch. Vorerst will es Ternes jedoch bei seiner Trilogie belassen. Allerdings mag er nicht ausschließen, dass er sich irgendwann neue medizinische Themen erschließt.

Weitere Informationen über Stefan Ternes und seine Arbeiten im Internet unter www.ternes-design.de.

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