Ärzte Zeitung, 24.10.2011

Engagement für ein Hospiz der Hoffnung

Sie ist für mehrere Monate aus ihrem Beruf ausgestiegen, um an einem sozialen Brennpunkt zu helfen und völlig neue Erfahrungen zu machen: PR-Managerin Dr. Anke Helten engagiert sich in Bukarest für arme, sterbenskranke Menschen.

Von Pete Smith

Engagement für ein Hospiz der Hoffnung

Gefragt ist Zuwendung und menschliche Wärme: Besuch bei Marius, einem Patienten mit Multipler Sklerose.

© privat

In Bukarest dürfen nur Reiche in Würde sterben. In der rumänischen Hauptstadt leben zwei Millionen Menschen, aber Hospiz-Betten gibt es nur wenige.

Patienten, die dem Tod ins Auge sehen und "austherapiert" sind, werden von den Krankenhäusern in der Regel nach Hause geschickt, nur wer sich einen Aufenthalt in einer Privatklinik leisten kann, hat Aussicht auf ein weitgehend schmerzfreies Sterben.

Auch den armen Rumänen ein würdevolles Sterben ermöglichen

Dr. Anke Helten, PR-Managerin des Arzneimittel-Herstellers GlaxoSmithKline (GSK), will dabei helfen, auch den armen Rumänen ein würdevolles Sterben zu ermöglichen.

Im Rahmen der Ehrenamt-Initiative PULSE, die ihr Unternehmen 2009 ins Leben gerufen hat, unterstützt sie die britische Charity-Organisation "Hospices of Hope" (Hospize der Hoffnung), die vor allem in Süd-Ost-Europa palliative Einrichtungen aufbaut.

Berechnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge benötigt Bukarest etwa 250 Hospiz-Betten. Die Organisation "Hospices of Hope", die in der rumänischen Stadt Brasov vor 20 Jahren das Lehr-Hospiz "Casa Sperantei" (Haus der Hoffnung) eröffnet hat, will nun auch in der Hauptstadt des Landes ein ähnliches Hospiz errichten mit 20 Betten für Erwachsene und zehn Betten für Kinder.

"Jetzt warten wir auf die Baugenehmigung"

"Der Bau-Grund dafür wurde von kurzem erworben", erzählt Anke Helten, "jetzt warten wir auf die Baugenehmigung." Die PR-Managerin hilft dabei, Gelder zu beschaffen, "was in Zeiten der Krise hier in Rumänien nicht so einfach ist". Vermögende und einflussreiche Persönlichkeiten der Stadt werden eingeladen, um das Hospiz-Projekt kennenzulernen und zu unterstützen.

Engagement für ein Hospiz der Hoffnung

Für kurze Zeit den Alltag und die Krankheit vergessen: Julia zeigt stolz ein Geschenk.

© privat

Auch in Deutschland hat Anke Helten bereits vielversprechende Kontakte zu Firmen geknüpft und beispielsweise erreicht, "dass uns Osram die Beleuchtung für das Hospiz spenden wird".

Air Berlin beteiligt sich mit kostenlosen Flügen, das Hotel Intercontinental stellt seine VIP-Lounge für Charity-Veranstaltungen zur Verfügung, und Sterne-Koch Thomas Kammeier aus Berlin veranstaltet eine "Kitchen-Party", bei der Spenden gesammelt werden.

Charity-Marathon für "Hospices of Hope"

Anke Helten nimmt auch an einem Charity-Marathon in Bukarest teil, dessen Erlös den "Hospices of Hope" zugutekommt. Auf ihrer Internetseite www.justgiving.com/Anke-Helten können Freunde und Kollegen Geld dafür spenden.

Das Engagement der Münchenerin geht jedoch über Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising hinaus. Im August hat sie eine Woche in einem Kinder-Sommer-Camp zugebracht. Dort können Kinder, deren Eltern oder Geschwister gestorben sind oder in einer Einrichtung von "Hospices of Hope" versorgt werden, für kurze Zeit ihren Alltag vergessen.

Drei oder sechs Monate arbeiten GSK-Mitarbeiter ehrenamtlich

Hier dürfen sie wieder Kind sein, spielen, basteln und lachen - ungeachtet ihres Alters und ihrer sozialen Herkunft. "Vor allem eines der traurigen Zigeunermädchen habe ich ins Herz geschlossen", erzählt Anke Helten. "Sehr bewegend war auch, als einer der älteren Jungen darüber gesprochen hat, wie ihm das Hospiz hilft, mit der Krebserkrankung seiner Mutter fertig zu werden."

Das PULSE-Programm soll Mitarbeitern von GlaxoSmithKline (GSK) die Chance eröffnen, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in den Dienst einer guten Sache zu stellen. Drei oder sechs Monate lang arbeiten sie ehrenamtlich für eine gemeinnützige oder eine Nichtregierungsorganisation, ihr Gehalt wird während dieser Zeit von GSK weiter bezahlt.

Ziel ist, die Situation von Patienten und Bedürftigen in armen Ländern zu verbessern und dabei neue Erfahrungen zu sammeln, die auch der eigenen Arbeit im Unternehmen zugutekommen.

Anke Helten zieht schon jetzt eine positive Bilanz

Bislang haben fast 200 GSK-Mitarbeiter aus 26 Ländern das Angebot genutzt und dabei Gesundheits- und Bildungs-Projekte in Bolivien, Kenia, Haiti, Indien, China und Rumänien voran gebracht.

Anke Helten wird noch bis Ende des Jahres in Bukarest bleiben. Schon jetzt zieht sie eine durchweg positive Bilanz: "Das PULSE-Programm hat mir die Chance gegeben, für einen guten Zweck zu arbeiten und der Gesellschaft etwas zurückzugeben", sagt sie.

"Ich bin tief beeindruckt, was die Ärzte, Schwestern und Sozialarbeiter hier mit den begrenzten Mitteln leisten und wie das Fundraising-Team Tag um Tag dazu beiträgt, immer neue Mittel zu beschaffen", so Helten weiter.

"Ich habe sehr viel gelernt und die Realität in einem anderen Europa kennengelernt. Auch wenn ich mit großem Elan viel habe bewegen können, ist das für ein Land mit einem Gesundheitssystem wie in Rumänien doch immer noch ein Tropfen auf den heißen Stein."

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