Ärzte Zeitung online, 24.03.2014

Sexueller Missbrauch

Katholische Kirche nimmt sich unter die Lupe

Ein erster Anlauf war gescheitert, jetzt wagen die katholischen Bischöfe einen neuen: Ein Forschungsprojekt soll Licht ins Dunkel bei sexuellen Missbrauchsfällen bringen.

Katholische Kirche nimmt sich unter die Lupe

Verletzte Seele: Die katholische Kirche will ihre Rolle bei sexuellem Missbrauch erhellen.

© Gina Sanders / fotolia.com

BONN. Die katholische Kirche in Deutschland will in einem zweiten Anlauf den sexuellen Missbrauch Jugendlicher im kirchlichen Bereich wissenschaftlich aufarbeiten lassen. "Wir wollen Klarheit und Transparenz über diese dunkle Seite in unserer Kirche", sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, am Montag bei der Vorstellung des Projekts in Bonn.

Dem Forschungskonsortium um den Neurowissenschaftler Professor Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim gehören sieben Professoren an. Im Januar 2013 war die Zusammenarbeit mit dem Kriminologen Professor Christian Pfeiffer aus Hannover wegen unterschiedlicher Vorstellungen aufgekündigt worden.

Ziel der auf dreieinhalb Jahre angelegten und rund eine Million Euro teuren Studie sei es, den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche wissenschaftlich so transparent wie möglich für die Öffentlichkeit und die Betroffenen aufzuarbeiten, sagte Dreßing.

Er leitet in seinem Institut die Abteilung forensische Psychiatrie. Dem Forschungskonsortium gehören neben Dreßing Kriminologen, Psychologen und Soziologen an.

Es sei ein modularer Projektablauf gewählt worden, sagte Dreßing. Dabei sollen nicht nur Daten aus den Kirchenarchiven ausgewertet, sondern auch externe Datenquellen einbezogen werden, die eine vergleichende Analyse mit anderen Formen des institutionellen Missbrauchs ermöglichten.

Es gehe auch darum, eine vertiefte Einsicht über das Vorgehen der Täter und über das Verhalten von Kirchenverantwortlichen in den zurückliegenden Jahrzehnten zu erhalten, sagte Ackermann.

Dreßing erwartet von der Studie auch eine Antwort auf die Frage, ob es spezifische Strukturen und Dynamiken innerhalb der katholischen Kirche gibt oder gegeben hat, die Missbrauch fördern. Die Daten sollen über Fragebögen und Interviews mit Opfern und Tätern erhoben werden.

Neun Bistümer sollen den Forschern die Daten zu sexuellem Missbrauch seit 1945 und 18 Bistümer die seit 2000 gesammelten Daten zugänglich machen.

Das Forschungskonsortium ist Dreßing zufolge frei in der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Daten. Das sei so vereinbart worden. Dem Konsortium steht ein Beirat zur Seite, dem Betroffene, Wissenschaftler und Vertreter der Kirche angehören. Er soll das Projekt wissenschaftlich und ethisch begleiten. (dpa)

[27.03.2014, 14:49:58]
Dr. Horst Grünwoldt 
Vorreiter
Da zeigt sich wieder einmal, wie fortschrittlich und konsequent die Katholische Kirche auch in "irdischen" Belangen ist, wenn sie als Erste wissenschaftlich-objektiv untersuchen läßt, welches die Ursachen des Phänomens und die Folgen des strafbewehrten Deliktes "sexueller Mißbrauch von abhängigen Kindern und Minderjährigen" sind, und wie ihre Prävention geschehen kann!
Es ist gewiß kein inner-kirchliches Problem alleine, wenn im Einzelfall schutzbefohlene Kinder sexuell pädophilen Erwachsenen "in die Hände fallen"! Wenn dies auch einen Priester als eng Vertrauten betrifft, ist dies natürlich um so schlimmer.
Vielmehr ist aber seit langen bekannt, daß die Alarmstufe 1 bei Delikten der Pädophilie im Kinder- und Jugend-Sportbereich zu sehen ist. Dort kommen sich i.d.R. Betreuer und Betreuter körperlich besonders nahe. Und das logischerweise auch wg. der mehr oder weniger leichten Sportbekleidung.
(Daran sollten auch mal unsere naiven Urlauberinnen denken, wenn sie in arabische Länder reisen und sich in aufreizender Form halbnackt öffentlich präsentieren, und damit eventuell unerwünschten sexuellen Übergriffen aussetzen)
Hat das der komische, ge-exte Kriminologie-Professor Pfeiffer aus Hannover nicht auch beizeiten erkannt?
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

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