Ärzte Zeitung online, 30.07.2014

Krankenversorgung

Pro Asyl fordert KVK für alle Asylbewerber

FRANKFURT/MAIN. Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl verlangt, dass Asylsuchende in Deutschland künftig auch ohne amtliche Erlaubnis zum Arzt gehen dürfen.

"Unsere Forderung ist, den Asylbewerbern Versicherungskarten auszugeben, so dass sie einfach zum Arzt gehen können", sagte der stellvertretende Geschäftsführer Bernd Mesovic der Nachrichtenagentur dpa.

In der Regel müssen Asylbewerber sich zunächst einen Krankenschein holen. "Insbesondere bei psychischen Erkrankungen, unter denen Flüchtlinge besonders oft leiden, wird eine Behandlung regelmäßig verweigert. In jedem Fall kommt es zu Verzögerungen."

Manche Länder haben diese Regelung allerdings bereits geändert. In Niedersachsen etwa hat die Landesregierung ein Modellprojekt für einen "anonymen Krankenschein" gestartet.

Pro-Asyl-Chef Mesovic kritisierte, dass Asylsuchende nur bei akuten Erkrankungen und Schmerzen Anspruch auf Behandlung haben. "Das Asylbewerberleistungsgesetz setzt ein falsches Zeichen, dass es für Flüchtlinge jedenfalls ein Weniger an medizinischer Behandlung geben soll." Wachleute würden sich die Entscheidung anmaßen, ob etwa ein Rettungswagen geholt werden müsse oder nicht.

Bremen hatte bereits 2005 die Regelung abgeschafft, wonach Asylbewerber vor dem Arztbesuch zunächst zum Amt müssen, und stellt ihnen Krankenversicherungskarten der AOK zur Verfügung. Seit 2012 versorgt die AOK an der Weser auch die Hamburger Flüchtlinge und Asylbewerber mit KV-Karten.

Die Bundesregierung arbeitet zurzeit an einer Reform des Asylbewerberleistungsgesetzes. Sozialverbände kritisieren jedoch, dass diese den Gesundheitsbereich bislang ausklammere. (dpa)

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