Ärzte Zeitung, 05.05.2015

Nepal

Weiterhin große Probleme für Helfer

Gut 25 Hubschrauber sind in Nepal im Einsatz - bei weitem nicht genug, um Bedürftigen zu versorgen. Die Helfer beklagen immer noch massive logistische Probleme.

KATHMANDU. Hungernde und Verletzte warten in Nepals abgelegenen Dörfern dringend auf Hilfe aus der Luft. Die Regierung suche händeringend weitere Hubschrauber, sagte der Sprecher des Innenministeriums am Montag.

Während sich die Situation in der Hauptstadt Kathman nach dem Erdstoß der Stärke 7,8 entspannt hat, warten in abgelegenen Regionen weiter zehntausende Menschen auf Rettung oder Unterstützung. Eigentlich müssen Verletzte geborgen, Zelte und Nahrungsmittel verteilt werden.

Bei dem Erdbeben am 25. April kamen nach neusten Angaben mehr als 7200 Menschen ums Leben, Zehntausende wurden verletzt.

Auch Indien hilft mit Helikoptern

"Wir haben nicht genügend Helikopter, um beides gleichzeitig zu bewerkstelligen: Rettung und Versorgung", sagte der nepalesische Sprecher, Laxmi Dhakal. Der Regierung stünden nur 13 Hubschrauber zur Verfügung, darunter sieben private. Indien helfe mit weiteren 14 Hubschraubern aus.

Die USA hätten am Sonntag vier Osprey-Flugzeuge eingeflogen, die vertikal starten und landen können. China habe am Montag drei Hubschrauber geschickt. "Aber das reicht noch nicht. Wir brauchen mindestens doppelt oder dreimal so viele, wie wir bislang haben", sagte der Sprecher.

Die schwer getroffenen Regionen nördlich von Kathmandu waren schon vor dem Beben teilweise nur durch Tagesmärsche zu erreichen. Die wenigen vorhandenen Straßen sind teils durch Erdrutsche verschüttet. In vielen Dörfern sind nach Behördenangaben 95 Prozent der Häuser eingestürzt oder schwer beschädigt.

Viele Menschen leben nach Angaben des Sprechers auf offenem Feld. Ihre Vorräte sind zerstört oder aufgebraucht. Das Gelände sei teils so gebirgig und unwegsam, dass selbst Hubschrauber dort nicht landen könnten. Hubschrauber sollten wenigstens Zelte und Lebensmittel aus der Luft abwerfen.

EU: Soforthilfe wird verdoppelt

Die Europäische Kommission erhöht die finanzielle Unterstützung für Nepal auf 22,6 Millionen Euro. Der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides kündigte am Montag nach einem Besuch in der Krisenregion an, die Soforthilfe für Nahrungsmittel, Notunterkünfte und Arzneimittel von drei auf sechs Millionen Euro zu verdoppeln.

 Weitere 16,6 Millionen Euro an Aufbauhilfe sollen der nepalesischen Regierung bis Ende der Woche zur Verfügung stehen.

"Wir werden so lange da sein, wie es notwendig ist", sagte Stylianides über die Unterstützung der Europäischen Union. Einschließlich der Gelder einzelner Mitgliedstaaten habe die EU bereits rund 40 Millionen Euro mobilisiert.

Zur Identifizierung möglicher deutscher Opfer des Erdbebens in Nepal entsendet das Bundeskriminalamt (BKA) zehn Experten nach Kathmandu. "Ziel des Einsatzes ist es, die Situation vor Ort im Hinblick auf deutsche Opfer weiter aufzuklären, um Angehörigen möglichst schnell Gewissheit zu verschaffen", teilte die Behörde am Montag in Wiesbaden mit.

Die Rechts- und Zahnmediziner der BKA-Identifizierungskommission kommen zum Einsatz, wenn es gilt, viele Tote zu identifizieren. Zuletzt halfen die Spezialisten nach dem Absturz der German-Wings-Maschine mit 150 Toten im März in Südfrankreich.

Wie viele Touristen noch in den Bergen festsitzen, scheint unklar - verschiedene Behörden in Nepal machten dazu unterschiedliche Angaben. Viele Bergsteiger gehen davon aus, dass es in dieser Saison keine Everest-Besteigung von nepalesischer Seite geben werde. China hatte seine Seite bereits kurz nach dem Beben geschlossen.

Die Unesco zeigte sich zuversichtlich für den Wiederaufbau der zerstörten Kulturgüter, die für viele Nepalesen einen ungemein hohen symbolischen Stellenwert haben. Zahlreiche Skulpturen und geschnitzte Holzbalken seien gerettet worden, sagte der Repräsentant der UN-Kulturorganisation in Kathmandu, Christian Manhart, im Deutschlandradio Kultur.

Die historischen Bauten im Kathmandutal, das auch auf der Unesco-Welterbeliste steht, seien gut dokumentiert. (dpa)

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