Ärzte Zeitung, 01.09.2015

Feierabend

Weg zur Entspannung ist oft weit

Kann man noch entspannt auf dem Sofa sitzen, wenn abends Mails vom Chef auf dem Handy eintrudeln? Das ist umstritten. Nun zeigt eine Umfrage, wie lange viele zum Abschalten nach Feierabend brauchen.

BERLIN. Aus dem Büro nach Hause kommen, die Füße hochlegen und noch immer an die Arbeit denken: Für viele Menschen in Deutschland ist das Alltag.

Bevor sie sich nach Feierabend entspannen können, vergeht bei 38 Prozent der Bürger etwa eine Stunde, bei sechs Prozent braucht es zum Abschalten sogar mehrere Stunden.

Das geht aus der repräsentativen Befragung "Freizeit-Monitor" 2015 hervor, die kürzlich von der Stiftung Zukunftsfragen vorgestellt wird. Auszüge daraus sind nun bereits im Vorfeld veröffentlicht worden.

Der "Freizeit-Monitor" gibt seit 1986 regelmäßig Auskunft zum Freizeitverhalten der Deutschen. Für die aktuelle Untersuchung wurden im Juli 2000 Menschen ab 14 Jahren persönlich befragt.

Die Frage nach der Dauer bis zur tatsächlichen Entspannung am Abend wurde der gesellschaftlichen Debatte wegen zum ersten Mal gestellt, wie Studienleiter Ulrich Reinhardt erläuterte.

Erschreckende Ergebnisse

Zwar schafft es nach eigener Aussage knapp die Hälfte der Deutschen (48 Prozent), sich sofort zu entspannen.

"Ich hätte den Wert aber noch höher erwartet", kommentierte Reinhardt. Viele Befragte seien jedoch ständig erreichbar, was ihre Freizeit beeinträchtige.

E-Mails, SMS und andere Handy-Kommunikation nach Feierabend stehen seit längerem in der Kritik, weil ein Zusammenhang mit Stress und psychischen Erkrankungen bei Arbeitnehmern vermutet wird.

Einige Unternehmen regeln inzwischen den Einsatz von Smartphones oder Tablets in der Freizeit — und auch die Wissenschaft ist auf das Thema aufmerksam geworden: Forscher rund um Dr. Nina Pauls, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Wirtschaftspsychologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, sind aktuell dabei, Spielregeln zur persönlichen Abgrenzung zu erarbeiten (die "Ärzte Zeitung" berichtete).

Mehr zum Projekt MASTER (Management ständiger Erreichbarkeit) gibt es im Internet unter www.erreichbarkeit.eu.

Die Befragung des "Freizeit-Monitors" zeigt tatsächlich, dass manche abends gar nicht von ihren Pflichten loskommen: Acht Prozent der Teilnehmer gaben an, dass es für sie nie wirklich Feierabend gebe.

Hausfrauen haben selten Feierabend

Dies betrifft den Angaben zufolge jedoch vor allem Hausfrauen (26 Prozent) und Selbstständige (14 Prozent). Arbeiter und Angestellte konnten sich der Befragung zufolge vergleichsweise rasch von ihren Pflichten erholen.

Dass die Arbeit auch abends beschäftigt, hat für Studienleiter Reinhardt auch einen nicht-technischen Grund: "Auch das soziale Gefüge hat sich verändert", meinte er.

Die gestiegene Zahl von Singles und Kinderlosen führe dazu, dass im Vergleich zu früher mehr Menschen Arbeitskollegen als Freunde hätten. "Da wird dann natürlich auch über Arbeit gesprochen."

Grundlage des "Freizeit-Monitors" ist den Angaben zufolge eine Befragung von mehr als 2000 Personen ab 14 Jahren, die repräsentativ ausgewählt und in persönlichen Interviews zu ihrem Freizeitverhalten befragt wurden.

 Die Stiftung Zukunftsfragen erfasst jährlich die Freizeitgewohnheiten der Deutschen. Im vergangenen Jahr wurde die Frage nach der Zeitspanne zwischen Feierabend und Freizeitgefühl nicht gestellt.

2014 standen die beliebtesten Freizeitaktivitäten der Deutschen im Mittelpunkt der Studie.

Des Deutschen liebstes Hobby

Dabei kam heraus, dass das Fernsehen nach wie vor des Deutschen liebstes Hobby ist — zum 25. Mal in Folge belegte es den ersten Platz.

Doch auch andere Medien liegen laut "Freizeit-Monitor" 2014 hoch im Kurs: Fernsehen und Radio, Zeitung und Internet, Handy und Festnetz prägen den Freizeitalltag ganz entscheidend.

Bei der Generation unter 30 Jahren sind sogar die neun häufigsten Aktivitäten durch die Medien bestimmt.

Kultur hingegen ist abgeschlagen: Lediglich 3 Prozent der Deutschen gehen wenigstens einmal pro Monat in ein Theater oder Museum. (aze/dpa)

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