Ärzte Zeitung online, 13.04.2017
 

Medizinkrimi-Autorin im Interview

"Ärzte stehen unter enormem Druck"

Ein Psychiater wird vergiftet, und Toxikologe Quirinius Quast ermittelt an einer Münchener Klinik: Krimi-Autorin Bettina Plecher hat sich auf die Medizin spezialisiert. Inspiration liefert ihr Mann – er ist Klinikarzt.

Von Jana Kötter

"Ärzte stehen unter enormem Druck"

Die Münchener Autorin Bettina Plecher schreibt Kriminalromane, die im Mediziner-Milieu angesiedelt sind.

© Henning Koepke

Ärzte Zeitung: Der Ermittler Ihrer Romane, Quirin Quast, ist Toxikologe an einem Münchener Klinikum – Ihr Mann Klinikarzt. Inwiefern hat er Sie zu dem Charakter Ihrer Kriminalromane inspiriert?

Bettina Plecher: Tatsächlich verfügt Quast über einige Eigenschaften, die mein Mann auch hat. Beide fühlen sich den Patienten gegenüber stark verpflichtet und haben eine gewisse kritische Distanz zu ihren Vorgesetzten. Außerdem verbindet sie die ein oder andere Marotte: So sammeln sie beide etwa passioniert Müll und fahren sommers wie winters mit dem Fahrrad zur Arbeit.

Vom Charakter her aber unterscheiden sich die beiden diametral. Quast ist vom Typ her ein intellektueller "Grantler", während mein Mann ein ausgesprochen sonniges Gemüt hat.

Immer wieder erlauben Sie auch den Blick in die Klinik, etwa in Form von Frieda Mays erster richtigen Stelle als Stationsärztin. Inwiefern ermöglicht Ihnen Ihr Mann diesen Einblick?

Mein Mann ist natürlich nicht meine einzige Quelle. Ich bin mit vielen Ärzten befreundet. Bei gemeinsamen Treffen und auf Festen höre ich sehr genau hin und notiere mir besonders eindrückliche Anekdoten. Inzwischen wissen viele auch, dass ich Klinikkrimis schreibe, und sprechen mich von sich aus an, wenn sie etwas Drastisches erlebt haben.

In Rezensionen wird immer wieder Ihre "medizinische Sachkenntnis" gelobt. Stammt denn diese allein aus Ihrer Ehe?

Der Toxikologe Dr. Rudolf Pfab vom Klinikum Rechts der Isar berät mich seit dem ersten Band zu allen toxikologischen Hintergründen. Er hat ein unglaubliches Wissen, was Gifte und Giftiges angeht – und eine ausgeprägte kriminelle Fantasie. Die Mordmethode in "Isarlauf" geht auf sein Konto.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Ihrem Mann aus?

Mein leidgeplagter Mann liest alle Szenen sofort nach ihrer Entstehung gegen – und wäscht mir den Kopf, wenn etwas klischeehaft oder unrichtig ist.

Toxikologe, ein Psychiater als Opfer, Einblicke in seine Behandlung – was macht für Sie den besonderen Reiz der medizinischen Branche aus?

Ärzte, gerade Ärzte an der Universität, stehen unter enormem Druck. Sie arbeiten in einem intensiven Spannungsfeld zwischen Menschenliebe und Ehrgeiz. Da liegen Erfüllung und Frustration sehr nah beisammen. In meinen Romanen erhöhe ich diesen Druck ein wenig und lasse die Aggressionen, die ohnehin vorhanden sind, an die Oberfläche treten. Darüber hinaus fasziniert mich die Figur des Toxikologen, weil Giftmorde so etwas herrlich Klandestines haben.

Können Sie sich denn auch vorstellen, Romane außerhalb dieses klinischen Rahmens zu verfassen?

Auf jeden Fall! Egal, wo ein Kriminalroman angesiedelt ist, ob an einer Uniklinik, in einem beschaulichen Dorf auf dem Land oder in der Medienbranche, letztlich geht es immer um extreme menschliche Erfahrungen, die die Abgründe der Seele sichtbar machen.

 

Bettina Plecher: Isarlauf, Rowohlt, 304 S., 9,99 Euro, ISBN 978-3499270673.

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