Ärzte Zeitung, 01.12.2017

Forschung

Wissenschaft pur im neuen Robert-Koch-Museum

Welche Bedeutung haben die Ideen und Entdeckungen Robert Kochs und seiner Schüler in der Gegenwart? Ein Berliner Museum liefert Antworten.

zur Galerie klicken

Museumsrundgang: Auch Störche können Krankheitserreger verbreiten. Im Hintergrund ein Schutzanzug aus dem RKI-Hochsicherheitslabor.

© RKI

BERLIN. Im Robert Koch-Institut gibt es ein neues Museum, mit Exponaten und Informationen aus Infektionsschutz, Gesundheitsforschung und aus dem wissenschaftlichen Nachlass von Robert Koch. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe würdigte bei der Eröffnung am Donnerstag laut einer vorab verbreiteten Pressemitteilung die Bedeutung der Einrichtung.

"Die Wissenschaft hat großartige medizinische Errungenschaften hervorgebracht, die unsere Gesundheit heute besser schützen als jemals zuvor. Das Museum des Robert Koch-Instituts zeigt diese Errungenschaften der Wissenschaft von den Entdeckungen Robert Kochs bis heute." Die Wissenschaftler des RKI, so Gröhe weiter, leisteten täglich Herausragendes, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und bestmöglich vor aufkommenden Gesundheitsgefahren zu schützen. "Dieses Museum ist ein besonderer Ort, es gibt weltweit nicht viele Forschungseinrichtungen, die über ein solches Schmuckstück verfügen", sagt RKI-Präsident Lothar H. Wieler.

Risiken und Schutzfaktoren

Die Dauerausstellung am historischen Standort am Nordufer im Berliner Wedding vermittelt einen Überblick über die Faktoren, die Gesundheit beeinflussen. Sie zeigt, wie das RKI Risiken und Schutzfaktoren für die Gesundheit der Bevölkerung erforscht und welche Bedeutung die Ideen und Entdeckungen Robert Kochs und seiner Schüler bis heute haben.

Wissenschaft pur im neuen Robert-Koch-Museum

Bei der Eröffnung (v.l.n.r.): RKI-Vizepräsident Professor Lars Schaade, RKI-Präsident Professor Lothar Wieler, Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und Staatssekretär Lutz Stroppe (Gesundheitsministerium).

Im Mausoleum Robert Kochs, wo der Institutsgründer 1910 beigesetzt worden ist, wird das Andenken an den Mitbegründer der Mikrobiologie und Nobelpreisträger auf besondere Weise erfahrbar. Ein Museum wurde bereits kurz nach der Beisetzung des Wissenschaftlers eingerichtet, es hatte ausschließlich Exponate zu Robert Koch gezeigt und war seit mehr als fünfzig Jahren nicht mehr verändert worden. Anlässlich des 125-jährigen Institutsbestehens 2016 wurde es erheblich vergrößert und mit Unterstützung des Museums für Naturkunde in Berlin inhaltlich deutlich erweitert und neu gestaltet. "Das Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung ist ein integriertes Forschungsmuseum. Die Wissensvermittlung ist neben der Forschung und den Sammlungen eine zentrale Säule des Museums", betont Johannes Vogel, Generaldirektor des Museums für Naturkunde. "Wir sind stolz darauf, mit einem so renommierten Partner wie dem RKI zusammenarbeiten zu dürfen."

Durch das neue Museum zieht sich das Leitmotiv des Instituts, das schon zu Robert Kochs Zeit galt und für die RKI-Strategie 2025 zeitgemäß formuliert worden ist: auf der Basis von Wissenschaft und Forschung mit modernsten, zum Teil eigens entwickelten Methoden verlässliche Daten – Evidenz – erzeugen, das Wissen teilen und die Gesundheit der Bevölkerung schützen und verbessern.

Sechs große Themen

Das Museum stellt sechs große Themen vor: Forschungsmethoden und Infektionsschutz von Koch bis heute, den Einfluss von persönlichem Verhalten und gesellschaftlichen Verhältnissen auf die Gesundheit, Monitoring und Surveillance, One Health sowie Global Health. Unter den Exponaten ist zum Beispiel ein Brutschrank, in dem der spätere Nobelpreisträger Bakterien züchtete und ein Blasrohr, mit dem RKI-Wissenschaftler heutzutage in Afrika Wildtiere betäuben, um bei ihnen nach Krankheitserregern zu suchen, die dem Menschen gefährlich werden könnten.

Eine Grafik zur Krankheitslast verdeutlicht, dass früher Infektionskrankheiten vorherrschten, und heute die nicht-übertragbaren Krankheiten dominieren. Das interaktive "Musketierprinzip" zeigt in einer Modellierung, wie die Impfbereitschaft jeder einzelnen Person einen Einfluss auf die anderen Personen in der Gesellschaft hat.

Im früheren Museumsraum ist unter anderem eine Videoinstallation zu sehen, in der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Kooperationspartner des Instituts zu Wort kommen.

Die von der "Schiel Projektgesellschaft" gemeinsam mit RKI und Museum für Naturkunde entwickelte, deutsch- und englischsprachige Ausstellung ist ab 1.12.2017 geöffnet, Montag bis Donnerstag 10 bis 17 Uhr, Freitag 10 bis 15 Uhr. (eb)

Mehr Informationen unter:

www.rki.de/museum

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Welche Rolle sollen pränatale Bluttests künftig spielen?

Der GBA ist aktuell dabei, über die Kassenerstattung von pränatalen Bluttests zu entscheiden. Bundestagsabgeordnete fordern hierzu auch eine begleitende ethische Debatte. mehr »

Versäumte HPV-Impfungen bis zum Alter von 20 nachholen!

Werden Frauen erst jenseits des 20. Lebensjahres geimpft, ist der HPV-Schutz fraglich, berichten Forscher. Sie plädieren deshalb für einen möglichst frühen Beginn der Impfserie. mehr »

Krebsangst darf Blutdrucktherapie nicht gefährden

17 UhrDie Angst vor Krebs ist hoch und mancher Patient könnte den falschen Schluss ziehen, nun lieber ganz auf Valsartan zu verzichten, warnt nun auch die Deutsche Hochdruckliga. mehr »