Ärzte Zeitung, 19.11.2004

UND SO SEH' ICH ES

Auch Merkel und Stoiber hatten eine schöne Nacht

Nach langen und schweren Wehen hat das Unions-Paar Merkel/Stoiber ein Kind geboren - ihre Vorstellung von Gesundheitsreform. Man könnte fast gratulieren, wenn sich nicht zu viele "aber" angesammelt hätten.

Als Angela Merkel zum erstenmal bekanntgab, daß sie schon einen Namen für das zu erwartende Kind hat, gab es Bedenken. Sie nannte es Kopfpauschale, ein Name, der keinen begeistern konnte - von Sympathie ganz zu schweigen. Der Name erinnerte an Kopfjäger, und das paßte nicht zu einem Säugling. Sie änderte ihn also in Gesundheitsprämie, was schon besser klang, aber kein Vergleich zur Konkurrenz war. Die hatte für ihr Baby gleich eine bessere Bezeichnung. Alles, was mit dem Wort "Bürger" beginnt, schafft zunächst einmal Vertrauen.

      Der Kompromiß bringt keine Freude am Neugeborenen.
   

Was nach der schweren Unions-Geburt herausgekommen ist, entspricht nicht den Erwartungen. Von Abkoppelung von den Lohnkosten ist nicht mehr die Rede, die Besserverdienenden werden doch mehr zahlen und den Steuersäckel wird man bald noch weiter aufreißen müssen. Der alte Fuchs Seehofer wußte, was er tat, als er sich zurückhielt.

Fachleute sind der Meinung, daß dieses Kind keine große Lebenserwartung hat. Und Angela Merkel, die anfänglich so stolz war, hatte sich das alles ganz anders vorgestellt. Jetzt wurde sie zu einem faulen Kompromiß gezwungen.

Das Schlimmste: Der Kompromiß wurde nicht etwa aus Sorge um die Sanierung unseres Gesundheitswesens geschlossen. Oh, nein! Mutter und Vater einigten sich lediglich, weil jeder die Peinlichkeit fürchtete, vor seinem Verwandten (Parteitagen) mit leeren Händen dazustehen.

Dieser Kompromiß bringt keine Freude am Neugeborenen, sondern sieht wirklich eher nach einer, wie die SPD es nannte, bürokratischen Kopfgeburt aus -

das meint auch
Ihr Ironius

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