Ärzte Zeitung, 16.09.2005

Wiesn-Rausch mit Brief und Siegel - Promilletests auf dem Oktoberfest

"Promillas" bieten Festbesuchern an, ins Röhrchen zu pusten / Für Wiesn-Alkoholtests gibt es ein Promille-Diplom, besiegelt mit einem Kußmund

"Promilla" in Arbeitskleidung: Die 23jährige Studentin Camilla zeigt die Promille-Urkunde. Foto: ddp.vwd

Von Doris Mosandl

In der Verkehrskontrolle löst dieses Gerät bei Autofahrern Angstschweiß aus - ein findiger Münchner hat daraus einen Oktoberfest-Hit gemacht: Seit nunmehr sieben Jahren schickt Nikolaus von Taysen alljährlich knapp ein Dutzend Mädchen mit einem Alkoholtestgerät, wie es auch die Polizei benutzt, durch die Festzelte und lädt die Wiesn-Gäste zum Promille-Test ein.

Wer ins Röhrchen gepustet hat, bekommt anschließend ein Promille-Diplom überreicht, auf dem das Testergebnis eingetragen wird. "Um es hoch offiziell zu machen, besiegeln unsere Damen die Urkunde mit einem Kußmund", erklärt Nikolaus von Taysen, der Erfinder des Wiesn-Alkoholtests.

Sonderpreis des Wirtschaftsministeriums

Die Idee kam dem 30jährigen, als er eines Abends selbst in eine Verkehrskontrolle geraten war. Irgendwie habe er das Röhrchen-Pusten "ganz witzig" gefunden. Am richtigen Ort - zum Beispiel auf dem Münchner Oktoberfest - wäre das sicher "eine Gaudi", dachte sich von Taysen, der damals noch Betriebswirtschaft studierte.

Selbst das Wirtschaftsministerium war von der Idee des Münchners begeistert: Für den Wiesn-Alkoholtest wurde er beim Businessplan-Wettbewerb 1997/98 mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.

Auf dem Oktoberfest 1998 war es dann schließlich soweit. Zum ersten Mal wurden die "Promilla"-Mädchen durch die Festzelte geschickt. Die Mädchen werden im Vorfeld eigens für ihren Einsatz auf dem Oktoberfest gecastet. "Schlagfertig und selbstbewußt" müssen sie sein, sagt von Taysen. Schließlich gehe es in den Festzelten hoch her.

In diesem Jahr sind die "Promilla"-Mädchen zum achten Mal mit ihren Promille-Testern unterwegs und hoffen ab Samstag auf gutes Geschäft. Für 4,50 Euro kann jeder Wiesn-Besucher im Hippodrom, bei der Fischer Vroni, im Löwenbräu-Festzelt und in der Käfer-Wiesn-Schänke testen lassen, wie viel Alkohol er schon intus hat. Mehr als hundert Besucher pusten laut von Taysen an einem Abend ins Röhrchen - erfahrungsgemäß mehr männliche Wiesn-Gäste als weibliche.

Auch der eine oder andere Prominente hat wohl schon ein Promille-Zertifikat zu Hause hängen. Boris Becker und Franz Beckenbauer machen laut von Taysen regelmäßig beim Rausch-Test mit. Und auch Lothar Matthäus ist Stammgast bei den "Promilla"-Mädchen. Der Ex-Nationalspieler soll auch gerne mal den gesamten Wiesn-Tisch auf den Alkohol-Test einladen, verrät von Taysen.

Aber weiter darf er nicht aus dem Nähkästchen plaudern. "Uns sind schon sehr hohe Summen geboten worden, damit wir die Testergebnisse der Promis preisgeben", sagt er. Doch die Promi-Promille-Werte will er auch weiterhin für sich behalten. Nur so viel: "Auch die Promis schenken sich auf der Wiesn nichts."

Wiesn-Besucher haben durchschnittlich 1,5 Promille

Wer bei den "Promillas" ins Röhrchen pustet, hat nach Angaben von Taysen durchschnittlich einen 1,5-Promille-Rausch. Es seien aber auch schon Urkunden mit deutlich höheren Werten ausgestellt worden. Daß das Ganze zu einem Wett-Trinken um die höchsten Promille-Werte ausufert, glaubt der Erfinder allerdings nicht. Auf dem Oktoberfest werde schließlich ohnehin getrunken.

Zur Mittagszeit, wenn die meisten Festgäste mit dem Auto zur Wiesn kommen, bekommt der Wiesn-Spaß durchaus einen praktischen Hintergrund. Bevor sie in den Wagen steigen, testen viele Besucher erst bei den "Promillas", wie es um ihre Fahrtüchtigkeit bestellt ist. Doch Vorsicht: In der Verkehrskontrolle gilt das Promille-Diplom nicht als Ausrede. (ddp.vwd)

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