Ärzte Zeitung, 05.11.2004

Simvastatin plus Ezetimib: eine plausible Kombination

Gleichzeitige Synthese- und Resorptionshemmung bringt optimale Effekte bei Störungen im Cholesterinstoffwechsel

BERLIN (gvg). Die Behandlung mit einer Kombination aus Simvastatin und dem Hemmstoff der Cholesterinresorption Ezetimib senkt den Blutgehalt an LDL-Cholesterin signifikant stärker als eine Statin-Monotherapie. Selbst bei niedriger Dosierung des Statins kann damit bei vier von fünf Patienten mit kardiovaskulärem Risiko der LDL-Zielwert erreicht werden.

Die Kombination aus Synthese- und Resorptionshemmung bei der Behandlung von Patienten mit Cholesterin-Stoffwechselstörungen nennt Professor Heyo Kroemer von der Universität Greifswald "intelligent und plausibel". Denn eine Statin-Therapie führe zu einer Gegenregulation mit verstärkter Resorption von Cholesterin im Darm. Diese werde durch Ezetimib verhindert, so der Pharmakologe auf einer Veranstaltung von MSD in Berlin.

Wie dies in der Praxis funktioniert, belegen Studien. So berichtete Professor Jürgen Schäfer von der Universität Marburg in Berlin von einer kürzlich in der Fachzeitschrift "American Journal of Cardiology" (93, 2004, 1481) veröffentlichten, randomisierten Studie.

Damit sei belegt worden, daß eine Behandlung mit täglich 10 mg Ezetimib plus 20 mg Simvastatin bei Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko zu einer durchschnittlichen Verringerung des LDL-Cholesterin-Werts um 51 Prozent führt. In der Gruppe, in der die Patienten 20 mg Simvastatin als Monotherapie erhalten hatten, sank der Wert dagegen nur um ein Drittel. Insgesamt sei bei 83 Prozent der Patienten, die die Kombination erhalten hatten, der Zielwert von 100 mg LDL pro Deziliter erreicht worden, im Vergleich zu 46 Prozent bei einer Simvastatin-Monotherapie.

Simvastatin und Ezetimib werden unter dem Namen Inegy® als feste Kombination mit unterschiedlichen Simvastatin-Dosierungen vom Unternehmen MSD vertrieben.

Der Kardiologe Schäfer empfiehlt, die Kombination dann anzuwenden, wenn eine den jeweiligen Leitlinien entsprechende Absenkung des Plasma-LDL-Werts mit einer Statin-Monotherapie trotz Dosiserhöhung und gegebenenfalls Wechsel des Statins nicht erreicht werde. An der Klinik in Marburg, bei der er arbeitet, gibt es von dieser Regel allerdings eine Ausnahme: "KHK-Patienten, bei denen die KHK trotz einer Statin-Therapie fortschreitet, erhalten bei erhöhtem LDL-Cholesterin sofort Ezetimib und Simvastatin", so Schäfer auf der Veranstaltung in Berlin.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »