Ärzte Zeitung, 01.10.2007

Stoffe aus Fettzellen erhöhen den Blutdruck

Neue Wege zur Behandlung bei Hypertonie erforscht

BAIERBRUNN (wst). Übergewichtige haben bekanntlich häufiger Bluthochdruck als gleichaltrige Menschen mit Normalgewicht. Wissenschaftler entdecken immer mehr Faktoren, wie überschüssiges Fett den Blutdruck nach oben treibt. Damit bieten sich Grundlagen für neue Therapien.

In den vergangenen Jahren hat sich mehr und mehr die Erkenntnis durchgesetzt, dass Körperfett nicht nur Energie speichert. Es handelt sich außerdem um ein endokrin aktives Gewebe, wie Professor Stefan R. Bornstein von der Universität Dresden erläutert hat.

Insgesamt seien schon ungefähr 200 Substanzen bekannt, die aus dem Fettgewebe freigesetzt werden. Einige davon - etwa Angiotensin II - regulieren auch den Blutdruck, berichtete Bornstein bei einem wissenschaftlichen Symposium der Stiftung "Rufzeichen Gesundheit!" in Baierbrunn.

Fett- und Organzellen wirken direkt aufeinander ein

Der Blutdruck steigt vermutlich schon dadurch, dass die Fettzellen die blutdrucksteigernden Substanzen direkt in den Kreislauf abgeben. Bedeutsamer für eine Hypertonie sind aber möglicherweise lokale Wechselwirkungen zwischen Adipozyten aus Organfett und benachbarten Organzellen.

Dabei rufen schon kleinste Mengen dieser Signalstoffe aus Fettzellen klinisch relevante Wirkungen hervor. Schon so geringe Spuren dieser Substanzen reichen, dass sie mit konventionellen Messmethoden im venösen Blut nicht mehr nachweisbar sind.

Adipöse Patienten haben oft erhöhte Aldosteronspiegel

Zugleich sind bei adipösen Patienten häufig die Spiegel des blutdrucksteigernden Mineralkortikoids Aldosteron erhöht. Inwieweit aber verstärken Zellen aus der Nebennierenrinde die Freisetzung von Aldosteron, wenn man Adipozyten hinzufügt? Diese Frage hat Bornstein in Kulturen von humanen Zellen untersucht.

Das Ergebnis der Untersuchung war eindeutig: Sekretionsprodukte aus Fettzellen stimulieren offensichtlich die Aldosteron-Synthese oder -Freisetzung. Somit sind sie möglicherweise ein wichtiges Bindeglied zwischen Adipositas und Bluthochdruck.

Therapie-Option: Freisetzung von Aldosteron hemmen!

Insofern könnte eine künftige Behandlung darin bestehen, solche Mineralkortikoid-Releasing-Faktoren zu hemmen. Denn ein Hyperaldosteronismus gilt als wesentlicher Grund, warum der Blutdruck bei übergewichtigen Hypertonikern mit herkömmlichen Antihypertensiva allein oft nur schwer zu senken ist.

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