Ärzte Zeitung online, 31.08.2019

Aus Kontrastmitteln

Gadolinium in Getränken nachgewiesen

Forscher haben Gadolinium aus MRT-Kontrastmitteln in Getränken aus Fast-Food-Restaurants gefunden.

BREMEN. Nachdem Forscher um Professor Michael Bau von der Jacobs University Bremen Gadolinium aus Kontrastmitteln weltweit bereits in vielen Flüssen und auch im Trinkwasser einiger deutscher Städte nachgewiesen hat, wurden die Wissenschaftler jetzt auch in Nahrungsmitteln fündig (Science of the Total Environment 2019; 687: 1401-1408).

In Cola-Getränken aus Fast-Food-Restaurants in Berlin, Düsseldorf, Essen, Karlsruhe, München und Dresden wiesen sie Gadolinium nach. Die Substanz kommt ja besonders bei radiologischen MRT-Untersuchungen zum Einsatz.

Gemessene Konzentrationen nicht gesundheitsgefährdend

Die gemessenen Konzentrationen seien nach aktuellem Wissensstand zwar nicht gesundheitsgefährdend, jedoch ein Indikator für die mögliche Anwesenheit anderer Rückstände aus dem Abwasser in den Getränken, berichtet die Jacobs University.

Kontrastmittel seien aus der medizinischen Diagnostik nicht mehr wegzudenken, die verbrauchten Mengen von Kontrastmittel stiegen von Jahr zu Jahr. Das gelte auch für MRT-Kontrastmittel, die auf Gadolinium basieren. Patienten scheiden es im Krankenhaus oder zu Hause wieder aus und mit dem Abwasser gelangt es in die lokalen Klärwerke. Diese können die Kontrastmittel nicht aus dem Wasser entfernen und leiten sie in Flüsse und Seen ein.

Von den Flüssen wird ein Teil dieses Gadoliniums ins Meer eingetragen, wo es beispielsweise bereits die Nordsee verunreinigt, während es mit dem versickernden Flusswasser auch ins Grundwasser gelangt. Durch die Trinkwassergewinnung aus Grundwasser und Uferfiltrat findet sich das Kontrastmittel-Gadolinium letztlich auch im Leitungswasser.

Zudem belegen aktuelle Daten der Bremer Forscher für Berlin, dass das Trinkwasser in einzelnen Berliner Bezirken, wie zum Beispiel in Proben vom Bahnhof Zoo oder der Clay Allee, nicht nur die weltweit höchsten im Leitungswasser gemessenen Anteile (99 Prozent) an anthropogenem Gadolinium aufweist, sondern dass diese in den vergangenen Jahren nochmals deutlich zugenommen haben.

Gadolinium im Trinkwasser

Aber auch in den anderen untersuchten Städten stammt ein Teil des Gadoliniums im Trinkwasser aus MRT-Kontrastmitteln: 31 Prozent in Bremen, 34 Prozent in Karlsruhe, 63 Prozent in Dresden, 85 Prozent in Düsseldorf und 91 Prozent in München. Und weil die Zahl der MRT-Untersuchungen weiter ansteigt, wird sich dieser Trend zu höheren Kontrastmittelkonzentrationen im Trinkwasser weiter verstärken.

In der aktuellen Studie wurden in den untersuchten Städten Cola-Getränke aus Filialen bekannter Fast-Food-Ketten untersucht und mit den Leitungswasserproben aus dem jeweiligen Stadtteil verglichen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Getränke zeigen nahezu dieselben Gehalte an Kontrastmittel-Gadolinium wie das jeweils lokale Leitungswasser.

Für den Geochemiker Bau ist das wenig überraschend: „In Filialen von Schnellrestaurants wird der Cola-Sirup mit Leitungswasser und CO2 vermischt. Obwohl die Restaurants angeben, dass dieses Leitungswasser zuvor zusätzlich gereinigt wird, ist dieser Reinigungsschritt offensichtlich nicht in der Lage, die Kontrastmittelrückstände zu entfernen“, wird Bau in der Mitteilung der Jacobs University zitiert. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Eine tödliche Kombination

Nach einem Infarkt haben Diabetiker ein hohes Risiko für Herzschwäche. Doch nicht nur das: Die Kombination verdreifacht das Sterberisiko, offenbaren Studiendaten. mehr »

KBV-Vertreter setzen ein Zeichen

Die Vertragsärzte kämpfen um den Sicherstellungsauftrag für die ambulante Notfallversorgung, um die sich auch Kliniken bewerben. Das hat die KBV-VV dazu veranlasst, eine Resolution zu verabschieden. mehr »

"Es hapert deutlich bei der Prävention"

In der Schlaganfallversorgung ist Deutschland Weltspitze, doch bei der Prävention gibt es große Defizite, findet Professor Hans-Christoph Diener. mehr »