Ärzte Zeitung online, 27.09.2019

Blogger erzählen

Warum Forschung die beste Medizin sein kann

Acht junge Internet-Blogger konnten einen Tag lang hinter die Kulissen der Pharmaforschung blicken. Was sie erlebten, schilderten die jungen Frauen und Männer jetzt bei einer Veranstaltung in Berlin.

Warum Forschung die beste Medizin sein kann

Aktive Influencerinnen: Samira Mousa (Mitte) und Franziska Wetzl (rechts) möchten anderen Menschen die Augen dafür öffnen, wie es sich trotz chronischer Erkrankung gut leben lässt.

© vfa/B. Brundert

BERLIN. „Digitale Nomadin mit Multipler Sklerose“. So beschreibt sich Samira Mousa auf ihrer Webseite „chronisch-fabelhaft.de“. Wer die 29-Jährige dort besucht, sieht die junge „Autorin, Bloggerin, Eventmanagerin“ lachend, tanzend, aber auch in nachdenklicher Pose.

An MS erkrankt zu sein, sei nicht schön, sagt Mousa. Als sie Anfang 20 die Diagnose bekomme habe, sei für sie „erst mal ein bisschen die Welt zusammengebrochen“. Inzwischen wisse sie, dass die Erkrankung auch „nicht das Schlimmste“ sei, was einem im Leben passieren könne. „Wirklich!“

Acht Botschafter unterwegs in der Pharmaforschung

Trotz ihrer schubförmigen MS sei sie „ins Leben verliebt“ und fühle sich „wild & frei“, schreibt Mousa auf ihrer Seite. Und was macht sie sonst noch so: „Tauchen, Klettern, Wandern“ – und an diesem Donnerstagabend auch ein bisschen Promoten in eigener Sache: „Ich habe MS. Ob ich darunter leide, ist meine Entscheidung“, sagt Mousa und blickt hinauf ins große, himmelsähnliche Dach des Berliner „Gasometer“. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) hat unter dem Motto „Forschung ist die beste Medizin“ dorthin eingeladen.

Bereits im vergangenen Jahr hatten Forscher bei einer ähnlichen Veranstaltung ihre Geschichten erzählt und berichtet, warum sie sich in den Dienst der Medizinforschung stellen. In diesem Jahr folgt der Außenblick: Acht bekannte Gesichter auf Plattformen wie YouTube, Instagram, Facebook und Twitter hat der vfa zu diesem Zweck als „Botschafter“ losgeschickt – unter ihnen auch Samira Mousa.

Einen Tag lang haben die jungen „Influencer“ Forschern großer Pharmaunternehmen über die Schulter geschaut, Robotern in Laboren zugesehen oder beim Tragen einer Epilepsie-Brille am eigenen Körper erfahren können, wie sich ein derartiger Anfall anfühlt.

Türen für Außenstehende bewusst geöffnet

„Forschung passiert meist hinter verschlossenen Türen. Die wollten wir bewusst mal öffnen, damit mehr Menschen wissen, was wir machen und damit wir mehr darüber erfahren, was diskutiert wird“, beschreibt vfa-Präsident Han Steutel, die Intention von „Forschung ist die beste Medizin“. Und bei der Erforschung von Krankheiten sei „noch so verdammt viel zu tun“.

Diesen Befund können die jungen Botschafter bestätigen. Überrascht sei sie gewesen, was in den Forschungslaboren alles passiere, um Krankheiten besser zu verstehen, berichtet etwa Franziska Wetzl. Auch sie ist Bloggerin und schreibt als „Fibrofee“ über ihre Erfahrungen als Fibromyalgie-Patientin.

Viele Menschen litten an chronischen Schmerzen, manchen falle es aber schwer, darüber zu sprechen. Dass Forscher auch diesen gesellschaftlichen Aspekt „auf dem Schirm“ hätten, habe ihr gefallen, sagt Wetzl.

Frauen in der Forschung keine Seltenheit

Autorin und Moderatorin Vreni Frost wiederum war bei ihrem Forschungsbesuch vor allem interessiert, wie sich das Verhältnis von Frauen und Männern in der Pharmabranche darstellt. Die Unternehmen täten schon viel in Sachen Gleichberechtigung. Forscherinnen in leitender Funktion seien Beleg dafür – und Vorbild für andere Frauen, es ihnen gleich zu tun.

Roman Malessa von „Jugend gegen Aids“ und ein weiterer der acht Botschafter spricht bereits wie ein Forscher, wenn er über das Thema Aids erzählt. „Forschung ist die beste Medizin, weil sie uns dabei hilft, unheilbare Krankheiten zu behandeln und vielleicht sogar heilen zu können“, sagt er.

Über seine Altersgenossen weiß Malessa: „Relevanz ist wichtig bei jungen Menschen.“ Über diese Schiene müsse man sie beim Thema Aids packen – auch um dem Stigma entgegenzuwirken, dass nur bestimmte Gesellschaftsgruppen betroffen seien. Nur dann beschäftigten sich junge Frauen und Männer damit – und schützten sich vor möglicher Ansteckung. (hom)

Weitere Infos: www.forschung-ist-die-beste-medizin.de

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