Ärzte Zeitung, 08.03.2012

"Der Platz für eine Frau ist die Familie"

"Der Platz für eine Frau ist die Familie"

Chefarzt-Herrlichkeit in den 1980er Jahren: Frauen taugen nicht als Ärztin - ihre Zweckbestimmung sind Kinder und Familie.

Köln, 31. Oktober 1984. Eine Umfrage des Marburger Bundes unter 300 angestellten Ärztinnen offenbart zum Teil erschreckende Benachteiligungen und Verunglimpfungen bei Einstellungsgesprächen.

So erklärte ein Chefarzt einer Gynäkologin bei der Bewerbung: "Der eigentliche Platz für eine Frau ist die Familie. Aber wenn ich Sie eigenhändig sterilisiert habe, bekommen Sie die Stelle."

Eine Bewerberin könne, so hat der Marburger Bund erfahren, nur dann mit einer Anstellung rechnen, "wenn sie den Uterus im Einmachglas auf den Tisch" stelle.

Unter Bewerberinnen gehe der Spruch herum, "dezent die Quittung einer IUP-Einlage neueren Datums zwischen die Bewerbungsunterlagen zu legen".

Generell haben Ärztinnen schlechtere Aussichten am Arbeitsmarkt. Während 27 Prozent aller Ärzte weiblich sind, beträgt ihr Anteil an den arbeitslosen Ärzten 48 Prozent. 35 Prozent aller Stellenausschreibungen richten sich ohnehin gezielt an männliche Mediziner.

Die Prognosen für den ärztlichen Arbeitsmarkt sind zu jener Zeit düster: Nach einer Studie des Zentralin stituts für die kassenärztliche Versorgung müssen von den 95.000 Ärzten, die bis 1990 approbiert werden, nahezu 40.000 damit rechnen, dass sie keinen Arbeitsplatz als Mediziner erhalten werden. (HL)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Bundestag will zweite Runde für TSVG

Die erste Anhörungsrunde zum Termineservicegesetz verlief erwartungsgemäß kontrovers. Der Gesundheitsausschuss hat für den 13. Februar eine weitere Anhörung angesetzt. mehr »

Paul Ehrlich-Preis für Forschung zu Proteinfaltung

Für ihre Forschung zu Chaperonen erhalten Franz-Ulrich Hartl und Arthur L. Horwich den Paul Ehrlich-Preis 2019. Ihre Erkenntnisse könnten für neue Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »