Ärzte Zeitung online, 04.07.2018

Fußball-WM

Das Ende von Respekt und Fair Play?

Fremdenfeindlichkeit, überzogener Nationalismus, Mobbing: Bei der WM läuft einiges schief.

Die Botschaft der FIFA ist klar: "Fair Play und gegenseitiger Respekt sind fundamental für den Fußball. Diskriminierendes Verhalten ist nicht erlaubt", heißt es beim Weltfußballverband. Und: "Sag Nein zu Rassismus."

Doch der Blick nach Russland zeigt: Bei der Fußball-Weltmeisterschaft läuft gerade einiges schief, und damit ist ausnahmsweise nicht das Aus der DFB-Elf gemeint. Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Mobbing zeigen ihre hässliche Fratze – auf dem Platz, am Rande des Spielfelds und natürlich im Internet.

Die Entwicklung überrascht Philosoph und Fußballfreund Wolfram Eilenberger nicht: "Schon im Vorfeld gab es eine dunkle Ahnung, dass das eine dunkle Wendung nehmen könnte, was auch in Deutschland noch eine Art fröhlicher, weltoffener Patriotismus war", sagt der Publizist.

Diese Gefahr bestehe immer bei Nationenturnieren, "dass ein gesunder Stolz und auch eine Freude an dem jeweils Eigenen zu einer Art degenerierten Form des Hasses und des Nationalismus wird."

Beispiele gibt es zuhauf: Da ist die wochenlange Affäre um Mesut Özil, Ilkay Gündogan und ein umstrittenes Foto mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Nach der Niederlage gegen Südkorea machte der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier Özil persönlich für das Ausscheiden der Deutschen verantwortlich.

Auf Twitter schreibt er: "Ohne Özil hätten wir gewonnen!" Dazu stellt er ein Bild des Nationalspielers mit türkischen Wurzeln und dem Zitat: "Zufrieden, mein Präsident?"

War denn die Lage bei den vorherigen Weltmeisterschaften besser? Eilenberger sieht einen Zusammenhang mit den globalen gesellschaftspolitischen Entwicklungen.

"Das war 2006 und 2010 anders als jetzt, heute gibt es eine Verengung und Versteifung und auch eine Wendung ins Extreme, die ganz seltsamerweise und auch bedrückenderweise mit der Weltlage korrespondiert."

Er habe das Gefühl, die Welt sei 2006 und 2010 noch sehr viel offener und weltfreudiger gewesen. (dpa)

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