Ärzte Zeitung online, 29.11.2018

Bewegungszeugnis

Deutschland bleibt sitzen

Schlechte Noten für Deutschland im „Bewegungszeugnis“: Einer weltweiten Studie zufolge bewegen sich deutsche Kinder und Jugendliche zu wenig.

Deutschland bleibt sitzen

In Deutschland sitzen viele Erwachsene und auch viele Kinder oft lange vor dem Fernseher.

© Photographee.eu / stock.adobe.com

MÜNCHEN. Eine Untersuchung der Active Healthy Kids Global Alliance hat rund 50 Staaten ein „Bewegungszeugnis“ ausgestellt.

Deutschland schneidet dabei nicht besonders gut ab: Von acht bewerteten Bereichen gibt es dreimal die Note 4- und einmal die Note 3-, teilt die Technische Uni München (TUM) mit. Gute Noten gibt es dagegen bei den Rahmenbedingungen, die der organisierte Sport, Schule, Familie und Kommunen bieten.

An der Initiative, die 2014 von kanadischen Forschern gegründet wurde, hat Deutschland zum ersten Mal teilgenommen.

Ein Team von neun Forschungseinrichtungen wertete unter Leitung von Professor Yolanda Demetriou von der TUM wissenschaftliche Studien und weitere Quellen wie etwa Berichte von Ministerien aus.

80 Prozent sitzen mehr als zwei Stunden vor dem Bildschirm

Lediglich die Note 4- bekommt Deutschland bei der „Körperlichen Aktivität insgesamt“, dem „Sitzenden Verhalten“ und beim „Aktiven Spielen“. Nur rund 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen erreichen mindestens eine Stunde moderate oder intensive körperliche Aktivität pro Tag, wie es die WHO empfiehlt.

80 Prozent sitzen mehr als zwei Stunden vor dem Fernseher, Computer oder Handy, so die TUM. Und weniger als ein Viertel spielt aktiv mehrere Stunden lang. Den Schulweg legen nur etwa 40 Prozent zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück – dafür gibt es die Note 3-.

Kinder und Jugendliche in anderen Staaten sind deutlich aktiver. Besonders gut sind die Ergebnisse in afrikanischen Staaten wie Simbabwe, Ghana und Südafrika. Aber auch viele europäische Länder wie die Niederlande und England schneiden besser ab, die beste Note weltweit hat Slowenien.

Fünfthäufigste Todesursache

Gute Noten bekommt Deutschland bei den Rahmenbedingungen für Sport in Vereinen oder Schulen: 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind Mitglied in einem Sportverein, in der Schule steht zweimal wöchentlich Sport auf dem Stundenplan. Die meisten Städte und Gemeinden legen ausreichend Spielplätze, Parks und Radwege an.

Zudem sind zwei Drittel der Eltern regelmäßig körperlich aktiv und damit ein Vorbild. Allerdings sind auch in diesen Bereichen andere Ländern besser: In Dänemark, Kanada und Schweden sind die meisten Kinder und Jugendlichen in Sportvereinen.

In Schweden und Australien ist die Ausstattung der Kommunen am besten. Mit seinem Zeugnis steht Deutschland im internationalen Vergleich dennoch im oberen Drittel.

Die besten Zensuren bekommt Slowenien, gefolgt von Nepal Japan und Dänemark. „Dreimal nur knapp besser als mangelhaft – Deutschland ist versetzungsgefährdet“, wird Studienleiterin Demetriou in der Mitteilung zitiert.

Wer sich als Kind zu wenig bewege, bei dem bestehe ein hohes Risiko, dass er dies auch als Erwachsener tut. Das wiederum begünstige die Entstehung von Adipositas, Herzinfarkt oder Schlaganfall.

„In Deutschland ist körperliche Inaktivität die fünfthäufigste Todesursache“, so Demetriou. (eb/bae)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wirkstoff zum Cannabis-Entzug

Die Blockade der Fettsäureamid-Hydrolase reduziert Symptome beim Cannabis-Entzug. Mit einem Hydrolasehemmer senkten Abstinenzwillige den Konsum um fast 70 Prozent. mehr »

Arzt und Kämpfer gegen sexuelle Gewalt

Die Gewinner der Nobelpreise haben am Montag ihre Auszeichnungen entgegengenommen. Besondere Aufmerksamkeit erlangte dabei der Arzt Denis Mukwege, Träger des Friedensnobelpreises. mehr »

Erste Kassen senken Zusatzbeitrag deutlich

Die gute Konjunktur und hohe Reserven machen sinkende Zusatzbeiträge möglich – aber nicht bei jeder Krankenkasse. mehr »