Ärzte Zeitung, 14.05.2008

Organspendeausweis samt Infos im Briefkasten

Aktion in Nordhessen soll Zahl der Spender erhöhen

FRANKFURT/MAIN (ine). Organspendeausweise samt Infomaterialien landen in den nächsten Tagen in über 100 000 Briefkästen in Nordhessen.

"Schatz, wir müssen reden!" Diesen Flyer finden in diesen Tagen viele Bürger in ihren Briefkästen.

Foto: Holding AG

Diese Art von Werbung um Organspender ist nach Angaben der Gesundheit Nordhessen Holding AG in Kassel einzigartig. "Wir wollen mit dieser Aktion erstmal erreichen, dass über das Thema gesprochen wird", sagt Initiator und Werbeexperte Robert Köster. Allein mit der Postwurfsendung sollen 30 000 Spenderausweise verteilt werden. Zudem werden 10 000 kostenlose Postkarten in Restaurants und Kneipen ausgelegt. Darauf steht die Aufforderung: "Schatz, wir müssen reden!"

Die Druck- und Portkosten werden durch Spenden, etwa von der Gesundheit-Holding und dem Rotary Club gedeckt, den Slogan und die Postkarte haben Studenten der Kasseler Akademie für Kommunikation entwickelt. Die Schirmherrschaft hat Hessens Sozialministerin Silke Lautenschläger übernommen.

"Die Kampagne der Landesregierung hat die Zahl der Spender deutlich erhöht", sagt die Ministerin. Sie verwies darauf, dass im dritten Quartal 2007 die Zahl der postmortalen Organspender im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent zugenommen habe. Die Regierung setzt auf ungewöhnliche Aktionen. So bekommen in Hessen Jugendliche, die erfolgreich ihre Führerscheinprüfung absolviert haben, zusätzlich zum Führerschein einen Organspendeausweis ausgehändigt. Über 100 000 Info-Flyer hat die Regierung zudem an den TÜV-Prüfstellen verteilen lassen.

Die Aktion in Nordhessen wird auch von der Deutschen Stiftung Organtransplantation und der Interessengemeinschaft Organspende e.V. unterstützt. Geplant ist zudem, solche Kampagnen auch in anderen Städten und Regionen in Deutschland zu initiieren. Die Weichen dafür sind schon gestellt: "Eine Stadt in Nordrhein-Westfalen hat bereits Interesse bekundet", sagt Köster.

In Deutschland warten derzeit etwa 12 000 Menschen auf ein Organ - jeden Tag sterben drei, weil sie kein Spenderorgan bekommen.

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