Ärzte Zeitung, 17.06.2008

Lernen - für viele Senioren kein Problem

Nutzung von Bildungsangeboten für ältere Menschen / Repräsentative Umfrage des Bundesbildungsministeriums

BONN (dpa). Die meisten Menschen zwischen 50 und 70 Jahren glauben, dass man auch im Alter noch ein Musikinstrument erlernen oder ein Bild malen kann. Das geht aus dem jetzt in Bonn vorgelegten "KulturBarometer 50+" hervor, einer Umfrage des Bonner Zentrums für Kulturforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

 Lernen - für viele Senioren kein Problem

Tuba-Spieler. Für Lernen fühlen sich auch viele 70-Jährige nicht zu alt.

Foto: Imago

Demnach hat ein Drittel der bisher nicht künstlerisch aktiven Älteren Interesse an entsprechenden Bildungsangeboten. Kulturelle Bildungseinrichtungen könnten damit ungeachtet der demografischen Entwicklung auch künftig optimal ausgelastet werden.

Das KulturBarometer ergab, dass altersspezifische Rollenmuster durchlässiger werden: Wer in jungen Jahren Rockmusik gehört und Rockkonzerte besucht hat, wird im Alter nicht zwangsläufig zum Klassikfan. Vor allem die Befragten im Alter von 50 bis 70 haben einen weiteren Kulturbegriff und zeigen eine deutlich größere Offenheit für modernere Angebotsformate als die noch Älteren. Sie nutzen zu beachtlichen Anteilen Sparten wie Film, Jazz und Rockmusik, Musical, Kabarett und Comedy, Ausstellungen mit zeitgenössischer Kunst und Fotografie. Klassik-Konzerte, Theater und Oper sind für Menschen um die 60 Jahre keine eindeutigen kulturellen Orientierungspunkte mehr.

Konzerthäuser, Theater und Opernhäuser können sich nach Ansicht der Wissenschaftler nicht mehr darauf verlassen, dass ihnen ihr Publikum durch den Generationenwechsel automatisch zuwächst. Sie müssten sich verstärkt darum bemühen. Aber auch Veranstalter im Popsegment sollten die "Generation 50 +" im Marketing und beim Service in Zukunft angemessen berücksichtigen, indem sie etwa eine Teilbestuhlung bei "intergenerativen" Rockkonzerten anbieten.

Bei der repräsentativen Erhebung ging es um Fragen der Akzeptanz und Nutzung kultureller Angebote - auch Bildungsangebote - sowie um ehrenamtliches Engagement bei älteren Menschen. Befragt wurden in den vergangenen zwei Jahren 2000 Personen von 50 Jahren an aufwärts. Daneben verfasste das Institut für Bildung und Kultur e.V. Remscheid im Auftrag des Ministeriums eine "Bestandsaufnahme kultureller Bildungsangebote für Ältere in Deutschland".

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