Ärzte Zeitung, 17.07.2008

Mehr Hausärzte nötig trotz schrumpfender Bevölkerung

Studie im Nordosten zeigt Defizite bei der Bedarfsplanung

GREIFSWALD (di). Die älter werdende Bevölkerung erfordert deutlich mehr medizinische Kapazitäten als bislang angenommen. Eine von der Bundesärztekammer unterstützte Studie zum Versorgungsbedarf in Mecklenburg-Vorpommern zeigt auch, dass trotz abnehmender Bevölkerungszahl mehr Hausärzte nötig sind als bislang angenommen.

"Insgesamt wird die Anzahl der Arztkontakte bei den Allgemeinärzten bis 2020 um 8,4 Prozent zunehmen", warnen die Autoren der Studie "Versorgungsepidemiologische Auswirkungen des demografischen Wandels in Mecklenburg-Vorpommern".

Danach benötigt der Nordosten bis 2020 insgesamt 553 neue Hausärzte. Dies sind deutlich mehr, als nach der Bedarfsplanungsrichtlinie zu erwarten war. Danach beträgt der Bedarf 372 Hausärzte. Für den höheren Bedarf nennen die Studienautoren zwei Gründe:

  • Die höhere Zahl von Arztkontakten älterer Menschen: Laut Studie haben 80- bis 84-Jährige durchschnittlich 9,4 Arztkontakte pro Jahr, 25- bis 29-Jährige dagegen nur 2,2 Kontakte.
  • Ruhestandswelle unter Praxisinhabern: Von den 1138 im Jahr 2006 im Nordosten praktizierenden Hausärzten werden bis 2020 insgesamt 462 altersbedingt ausscheiden.

Auch im stationären Sektor erwarten die Wissenschaftler der Universitäten Greifswald und Rostock einen höheren Bedarf. Mit Berücksichtigung des demografischen Faktors muss man im Nordosten von 3,127 Millionen stationären Behandlungstagen im Jahr 2020 ausgehen - dies entspricht einem Anstieg von 18 Prozent im Vergleich zu 2005. Den höchsten Bedarf sehen die Autoren in der Inneren Medizin, in der Allgemeinchirurgie und in der Neurologie.

Für die Studie haben sich Ärzte, Versorgungsforscher und Ökonomen auf epidemiologische Daten im Nordosten gestützt. Eine vergleichbare Entwicklung erwarten sie für ganz Deutschland. Allerdings sehen sie regionale Unterschiede - so steigen die Diabetesfallzahlen in Greifswald bis 2020 um 15 Prozent, im Landkreis Bad Doberan dagegen um 50 Prozent. Sie forderten, den demografischen Faktor in der Bedarfsplanung zu berücksichtigen.

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