Ärzte Zeitung, 11.08.2009

Kommentar

Sanktionen allein helfen nicht weiter

Von Bülent Erdogan

Die Berliner Schnauze kennt folgendes Sprichwort: "Säufste, stirbste, säufste nich, stirbste ooch, also säufste". Nach diesem Prinzip verfahren offenbar immer mehr Jugendliche und saufen sich erst munter ins Koma und dann in die Klinik. Es ist daher zu begrüßen, wenn Politiker sich in diesen Fällen für härtere Sanktionen einsetzen. Eine davon ist, Jugendlichen, die wiederholt mit Alkoholexzessen auffallen, zu verbieten, den Führerschein zu machen. Damit wäre ein Signal gesetzt, dass nicht alles ohne Folgen bleibt.

Doch das allein reicht nicht. Denn das Prinzip "Säufste nich, stirbste ooch", ist gelebte Kultur von Erwachsenen: Solange Vereine auf Festen mit Schnapsbars Reibach machen, solange vor Fußballspielen Alkoholwerbung über die Mattscheibe flimmert, solange jedes Familienfest beinahe zwingend mit dem Genuss von Alkohol verbunden ist, werden weiter nur wenige Kinder und Jugendliche diesem omnipräsenten Druck standhalten. Immer wieder müssen sich auch Erwachsene dafür rechtfertigen, in geselliger Runde nicht zum Alkohol zu greifen. Wer will sich schon direkt eine neue Familie suchen? Sanktionen sind daher in erster Linie eine Argumentationshilfe für jene, die dem Druck standhalten.

Lesen Sie dazu auch:
Union fordert Führerscheinverbot für jugendliche Komasäufer

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Ob Land oder Kleinstadt – ohne Arzt läuft’s nicht

Menschen in ländlichen Regionen fühlen sich zunehmend abgehängt von guter medizinischer Versorgung, so eine aktuelle Umfrage. Eine Initiative der AOK will das nun ändern. mehr »

Keine Kündigung wegen Wiederheirat!

Der Fall zieht sich seit 10 Jahren durch die Gerichte: Einem Chefarzt an einem katholischen Krankenhaus war wegen Wiederheirat nach Scheidung gekündigt worden. Das BAG hat nun entschieden: Die Kündigung ist unwirksam. mehr »

Neue Migräne bei Älteren ist ein Warnsignal

Patienten, die erst nach dem 50. Lebensjahr eine Migräne mit Aura entwickeln, haben offenbar ein signifikant erhöhtes Schlaganfallrisiko. Ursache könnten (Mikro-)Embolien sein. mehr »