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Ärzte Zeitung, 24.11.2009

Es geht nicht um Schuldige, sondern um Verbesserungen

Mehr Sicherheit für Patienten - wie kann das funktionieren? Die Kammer Bayern hat zum Seminar geladen.

Von Jürgen Stoschek

MÜNCHEN Für eine "positive Fehlerkultur" im Gesundheitswesen hat sich der Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK), Dr. Klaus Ottmann, in München ausgesprochen. Die Ärzte hätten zwar den Anspruch, keine Fehler zu machen. Tatsächlich sei die Medizin jedoch ein "Hochrisikobereich", erläuterte Ottmann bei einem Tagesseminar der Ärztekammer zum Thema "Patientensicherheit". Ziel müsse es daher sein, die Zahl der Fehler soweit wie nur möglich zu minimieren.

Nicht die Suche nach Schuldigen sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten, indem man aus Fehlern oder Beinahe-Fehlern lernt, erklärte Ottmann. Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern leisteten dafür einen unverzichtbaren Beitrag.

Nachdem die Gutachterstelle der BLÄK sich vor Jahren mehrfach mit Fällen beschäftigen musste, in denen eine Sectio zu spät eingeleitet wurde, habe man zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) eine Leitlinie mit einem Ablaufschema entwickelt, berichtete Professor Dietrich Berg, Vorsitzender der Gutachterstelle. Für die Organisation einer Notsectio im Kreißsaal gebe es jetzt klare Anleitungen.

Durch die Auswertung der Gutachterverfahren sei es möglich, typische Behandlungsfehler und Fehler in der Organisation zu entdecken, erläuterte Berg. Solche Erkenntnisse seien dann auch in die Fortbildung der Ärzte eingeflossen. "Jeder Fehler ist ein Schatz, der gehoben werden muss", so sein Resümee.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) in Bayern werde künftig auch Konzepte zur Vermeidung von Behandlungsfehlern entwickeln, kündigte dessen Geschäftsführer Reiner Kasperbauer an. Der Hintergrund: Seit Jahren steige die Zahl der Prüfaufträge beim MDK im Zusammenhang mit dem Vorwurf von Behandlungsfehlern.

Oftmals würden die Verfahren von Patienten ausgelöst. Aber auch die Krankenkassen stellten zunehmend häufiger Prüfanträge etwa nach einer erneuten stationären Aufnahme wegen derselben Erkrankung. Darüber hinaus gebe es zunehmend auch in nicht-operativen Fächern Behandlungsfehlervorwürfe, berichtete Kasperbauer. Der MDK setze auf eine enge Zusammenarbeit auch mit der Gutachterstelle der Kammer Bayern, erklärte er.

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