Ärzte Zeitung, 27.01.2010

Ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis ist bei der Substitution kaum möglich

Ärzte, die substituieren, kritisieren zu enge politische Rahmenrichtlinien für die Behandlung.

Von Rebecca Beerheide

Ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis ist bei der Substitution kaum möglich

Ärzte sollen bei der Substitution mehr selbst entscheiden können. © imago/bonn-sequenz

BERLIN. Die Versorgungssituation von Opiatabhängigen bleibt in Deutschland in vielen Regionen weiterhin mangelhaft. Zu diesem Ergebnis kommt Professor Heino Stöver von der Fachhochschule Frankfurt am Main in einer Befragung von substituierenden Ärzten und deren Patienten, die er in Berlin vorgestellt hat.

Die Studie verdeutlicht, dass es auch 20 Jahre nach Beginn der Substitutionsbehandlung in Deutschland ein deutliches Nord-Süd-Gefälle gibt. Patienten im Norden gaben in der Umfrage an, dass sie einfacher einen Arzt gefunden haben als Patienten im Süden. Der Norden habe sich ideologisch deutlich eher geöffnet, bilanziert Stöver, der auch dem Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik ("akzept") vorsitzt.

Viele der befragten Ärzte -  darunter über 70 Prozent Hausärzte -  gaben an, dass besonders die politischen Rahmenbedingungen das Arzt-Patienten-Verhältnis belasten. "Hier müssen die Vergaberichtlinien entschlackt und es muss mehr Verantwortung in die Hand des Arztes gelegt werden", so Stöver. Dies sei besonders eine Forderung der Ärzte, die derzeit nicht substituieren. Rund 7000 Ärzte haben eine suchttherapeutische Qualifikation, rund 2600 substituieren aktiv. Momentan wird eine Novellierung der Leitlinie zur Suchtmedizin bei der Bundesärztekammer diskutiert. Laut den Ergebnissen der Befragung sehen viele Ärzte eine begleitende psychosoziale Betreuung als essenziell an. Allerdings ist hier die Betreuungssituation sehr unterschiedlich, da die Kommunen für die Angebote zuständig sind. Stöver fordert eine bessere Anerkennung der Suchtmedizin innerhalb der Ärzteschaft.

Stöver kritisiert die Pläne der Regierung, keinen Drogenbericht mehr zu erstellen. Grotesk sei vor allem, dass nun die EU Zahlen zur Drogensituation veröffentlicht -  Deutschland aber selbst nicht mehr.

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